Lernfähig und intelligent

Dohle zum Vogel des Jahres 2012 gekürt

Sie sind ihrem Partner ein Leben lang treu, kümmern sich aufopfernd um ihren Nachwuchs und lieben das gesellige Leben: Die Dohle ist der "Vogel des Jahres 2012". Die Lebensgrundlage der Tiere ist aber bedroht.

Foto: NABU/F. Derer;

Der „Vogel des Jahres 2012“ ist die schwarz gefiederte Dohle. Der kleinste Vertreter der Rabenvögel sei eine der intelligentesten heimischen Vogelarten, erklärte Nabu-Vizepräsident Helmut Opitz am Freitag in Berlin. Die Wahl hatten der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der bayerische Landesbund für Vogelschutz (LBV) getroffen. Trotz ihrer Anpassungsfähigkeit gehört die Dohle nach Nabu-Angaben aber zu den bedrohten Tieren: In mehreren Bundesländern stehe sie auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Die beiden Naturschutzverbände rufen dazu auf, vorhandene Lebensräume der Dohle zu erhalten und neue zu schaffen. Zudem erhoffen sie sich einen Imagegewinn für die Dohle durch die Benennung zum Vogel des Jahres, da sie als Unglücksbote und Pechvogel gilt.

Ursprünglich seien die Dohlen Steppenbewohner gewesen, hätten sich aber in der menschlichen Nachbarschaft gut eingerichtet. Da aber immer mehr Grünflächen verschwinden und in der Landwirtschaft flächendeckend Pestizide eingesetzt werden, ist die Nahrungsgrundlage der Vögel gefährdet, wie der Nabu weiter mitteilte. Mit der Kür zum Vogel des Jahres solle zum Schutz der Dohle beitragen werden, die in mehreren Bundesländern auf der Roten Liste der gefährdeten Arten oder auf der Vorwarnliste steht. Den Bestand schätzen die Naturschutzverbände auf 100.000 Brutpaare.

Hohe Gebäude, vor allem Kirchtürme, seien bei den Dohlen besonders beliebte Nistplätze. Inzwischen würden Kirchtürme aber zunehmend mit Gittern versehen, um Tauben abzuwehren. So werde auch der Lebensraum der Dohle knapper. Vergrößert wird die „Wohnungsnot“ der Tiere den Angaben zufolge auch durch Gebäudesanierungen. Diese seien zwar wichtig, um Energie einzusparen – gleichzeitig verschwänden aber auch Nischen, Mauerlöcher und Dachstühle als Brutplätze. „Die Lebensräume werden immer mehr eingeengt“, sagte der LBV-Vorsitzende Ludwig Sothmann.

Die Naturschützer wiesen besonders auf das hoch entwickelte Familien- und Gesellschaftsleben der Vögel hin: Dohlenpaare seien sich ihr Leben lang treu und kümmerten sich besonders fürsorglich um ihren Nachwuchs. Schon der Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz sei fasziniert gewesen von den lernfähigen und intelligenten Dohlen, die in Kolonien zusammenleben. „Vogel des Jahres 2011“ war der Gartenrotschwanz. Der Titel wird seit 1971 verliehen – der erste „Vogel des Jahres“ war damals der Wanderfalke.