Vorhersage

So sollen Unwetterwarnungen besser werden

Unwettervorhersagen sind nicht optimal. Doch es ist Land in Sicht: Deutschland bekommt ein neues Zentrum zur Wetterforschung.

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Sie kommen schnell und heftig – Unwetter brauen sich immer wieder über Deutschland zusammen. Mit mal mehr, mal weniger verheerenden Folgen. Um rechtzeitige und genauere Prognosen über die Wetterlage erstellen und so die Schäden durch Gewitter, Wind, Hagel oder auch Schnee zu minimieren, soll in Deutschland nun ein neues Zentrum zur Wetterforschung aufgebaut werden.

Im Wettbewerb mit seinen Konkurrenten aus Frankreich und Großbritannien setzt der Deutsche Wetterdienst zur Aufholjagd an. Das ist auch dringend nötig, denn schon 2005 hatte der Wissenschaftsrat bei der Begutachtung angemahnt, dass die Bundeswetterbehörde ein engeres Netzwerk mit den Universitäten knüpfen und sich so die Forschungskapazität sichern müsse. Nun soll das virtuelle Hans-Ertel-Zentrum aufgebaut werden.

Mit zwei Millionen Euro für die kommenden vier Jahre soll Grundlagenforschung in fünf Bereichen mit Zukunftspotenzial für die Wetterforschung gefördert werden. Allerdings stehen von diesen zwei Millionen nur 1,5 Millionen Euro für die auswärtigen Forscher zur Verfügung, mit den restlichen 500?000 Euro will der DWD, der seinen Sitz in Offenbach hat, die nötigen Andockstellen im eigenen Haus schaffen. Zwei weitere Vier-Jahres-Perioden sind zumindest angedacht. Diese langfristige Perspektive wird von deutschen Meteorologen begrüßt. „Die Themen, die mit dem Zentrum angepeilt werden, werden in vier, fünf oder acht Jahren wichtig sein“, sagt der Bonner Meteorologie-Professor Andreas Hense.

Einer der fünf Zukunftsbereiche ist die bessere Vorhersage von extremen Wetterereignissen wie Orkanen oder Starkregen. Damit haben nicht nur die Offenbacher, sondern auch ihre Kollegen in anderen Ländern Probleme, weil solche Kapriolen relativ kleinräumig, dazu schwer berechenbar und damit schlecht vorhersagbar sind.

Ein Bereich, der angesichts der wachsenden Flut von Satellitendaten immer wichtiger wird, ist die sogenannte Datenassimilation, also die schnellstmögliche Aufbereitung der einlaufenden Messwerte, damit sie in die Wetterprognosen einfließen können. „Das muss schnell gehen, sonst sind die Daten nicht mehr aktuell“, sagt Hense. Sowohl die schiere Masse als auch die steigende Vielfalt der verfügbaren Informationen stellt die Wissenschaftler vor gewaltige Herausforderungen. Daneben steht die Entwicklung kleinräumigerer Modelle und intensivierte Klimabeobachtung mittels optimierter Messnetze. „Mit dem Netzwerk behebt der DWD ein strukturelles Defizit, an dem er zu knabbern hatte“, sagt Andreas Hense, denn der Dienst konnte in Sachen Forschung mit seinen beiden westeuropäischen Konkurrenten nicht mehr mithalten. „Wo die drei Leute beschäftigten, gab es beim DWD nur einen“, sagt er. Das lag nicht nur am Behördencharakter, der den Offenbachern gern unterstellt wird, sondern auch am drastischen Sparkurs, der dem Dienst verordnet wurde. Seit dem vereinigungsbedingten Höchststand 1990 musste man rund 20 Prozent des Personals abbauen.

Aber auch die Kontakte zu Universitäten waren bei der Wetterbehörde lange Zeit unterentwickelt, ganz im Gegensatz etwa zum britischen UK-Metoffice, das sehr enge und über die Jahre gewachsene Beziehungen zu den Meteorologen der Universität Reading pflegt. „Und das ist eines der größten Meteorologie-Departments der Welt“, sagt Hense.

Derart breit aufgestellt ist die bundesdeutsche Universitätslandschaft im Bereich Wetterforschung allerdings auch nicht, weshalb der Wissenschaftsrat in seinem Evaluierungsgutachten 2005 nicht nur beim DWD, sondern auch in der akademischen Forschung Defizite diagnostizierte. Die Offenbacher hatten zunehmend Schwierigkeiten, ihren Nachwuchs an deutschen Universitäten zu rekrutieren. „Daher wollen wir das Hans-Ertel-Zentrum auch zur Nachwuchspflege nutzen“, sagt Christa Stein vom DWD. Der Wetterdienst würde es gern sehen, wenn die Projekte an den Partner-Universitäten mit einer Art Kristallisationskeim, einer Juniorprofessur zum Beispiel, verbunden würden, „denn unser strukturelles Ziel ist es“, sagt Stein, „dass sich die Gruppen selbst tragen“.

Die fünf Themenbereiche sollen vornehmlich von den Partnern in Universitäten gesteuert werden, beim Wetterdienst wird es eine Geschäftsstelle geben, die für alle Projekte tätig ist, und es werden sogenannte Themenbereichsleiter gestellt, die sich die Leitung mit ihren universitären Partnern teilen. So ist eine enge Verbindung der Forschergruppen mit dem DWD sichergestellt. Zurzeit sammelt der DWD Interessenbekundungen, Projektanträge müssen bis Mitte August eingereicht werden und werden dann von externen Experten begutachtet. „Frühestens im Dezember geht es dann los“, schätzt Christa Stein, die die Geschäftsstelle leiten wird.