Archäologie

Stammen Europäer ursprünglich aus Ungarn?

Forscher der Universität Mainz wollen bei einem Forschungsprojekt mit ungarischen Kollegen untersuchen, ob die Vorfahren der heutigen Mitteleuropäer wirklich aus dem heutigen Ungarn stammen. Wie viele Menschen vor etwa 7500 Jahren aus dem Karpatenbecken nach Mitteleuropa zogen, ist noch völlig offen.

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„Archäologisch deutet alles darauf hin“, sagte Kurt Alt vom Institut für Anthropologie der Universität Mainz. In der Jungsteinzeit hätten sich mit Bandmuster verzierte Keramikgefäße innerhalb weniger Generationen über ganz Zentraleuropa ausgebreitet. Als Ursprung der sogenannten Linienbandkeramik gilt das Karpatenbecken.

Den Forschern dient dies als Beleg dafür, dass die ersten sesshaften Ackerbauern und Viehzüchter aus Ungarn nach Mitteleuropa eingewandert sind. Dorthin waren frühe Schaf- und Rinderzüchter vermutlich aus dem Orient über den Balkan gelangt. Die Mainzer Anthropologen wollen beispielsweise mit Isotopenuntersuchungen an Knochenfunden feststellen, ob Menschen an einem anderen Ort gestorben sind, als sie geboren wurden. So sollen weitere Erkenntnisse über frühgeschichtlichen Wanderungsbewegungen gewonnen werden.

Wie viele Menschen vor etwa 7500 Jahren aus dem Karpatenbecken nach Mitteleuropa zogen, ist Alts Aussagen zufolge bislang noch völlig offen. Auch über das vermutlich gewaltsame plötzliche Ende der Linienbandkeramikkultur gebe es bislang nur Spekulationen.

Bereits im Herbst hatte Forscherin Barbara Bramanti aus Mainz im Fachjournal „Science“ ihre Erkenntnisse zur Herkunft der Mitteleuropäer veröffentlicht. Ihre DNA-Analysen ergaben, dass die ersten mitteleuropäischen Ackerbauern nicht die Vorfahren der modernen Mitteleuropäer gewesen sein können. Nach der ersten Einwanderungswelle aus dem ungarischen Raum habe es weitere, bislang unbekannte Ereignisse gegeben.

Europa war vor etwa 45.000 Jahren erstmals von modernen Menschen aus Afrika besiedelt worden, die mit der Zeit die zuvor hier lebenden Neandertaler verdrängten. Eine zweite Besiedlung fand mit dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 20.000 Jahren statt. Lange Zeit glaubten Forscher, dass die in Europa lebenden Jäger und Sammler selbst landwirtschaftliche Kulturtechniken entwickelten.