Gigantische Ölpest

Aufräumaktion im Nigerdelta soll 30 Jahre dauern

Nach einem Bericht der Vereinten Nationen handelt es sich um die weltweit größte Aufräumaktion. Sie soll eine Milliarde Dollar kosten.

Die Öl-Verschmutzung im Niger-Delta könnte den Vereinten Nationen zufolge die größte Aufräumaktion der Welt notwendig machen. In einem Bericht des Umweltprogramms UNEP wurden Kosten von zunächst einer Milliarde Dollar und einem Zeitraum von bis zu 30 Jahren für Maßnamen in Ogoniland genannt.

Die Studie kritisiert den Energiekonzern Shell und die nigerianische Regierung, die fünf Jahrzehnte lang zu der Verschmutzung beigetragen hätten. Die Kommunen in Ogoniland seien jeden Tag Kohlenwasserstoffen ausgesetzt durch dickes, schwarzes Öl in den Wasserläufen, die Auswirkungen auf die Fischereigebiete und die Pflanzenwelt sei katastrophal.

Die Öl-Infrastruktur in Ogoniland gehört überwiegend dem Regierungsunternehmen NNPC und der Royal Dutch Shell. Zwar fördert Shell in der Region kein Öl mehr. Das Unternehmen ist jedoch der führende Partner an der Shell Petroleum Development Company (SPDC), die Pipelines kontrolliert.

Kein Schuldeingeständnis

Eine SPDC-Sprecherin begrüßte den Bericht, erklärte jedoch, dieser müsse zunächst genauer studiert werden. Ein Sprecher des Staatskonzerns NNPC sagte, er habe die Untersuchung noch nicht gelesen. Er kündigte jedoch an, man werde jede Aufräumarbeit in Angriff nehmen. Dies sei kein Schuldeingeständnis. "Ein wichtiger Faktor ist Vandalismus an den Pipelines durch die Kommunen, die selbst betroffen sind", sagte er.

Auch Shell hat erklärt, die meisten Fälle von Ölpest im Delta gingen auf Diebstahl und Sabotage-Angriffe zurück. Das Unternehmen hat ebenfalls zugesagt, die Verschmutzung ohne Rücksicht auf die Ursache zu beseitigen.

Shell beendete die Förderung in Ogoniland nach einer Kampagne des Autors und Ken Saro-Wiwa. Er wurde später von der nigerianischen Militärregierung hingerichet , was international zu einem Aufschrei führte.

Naturschützer machen seit Jahren auf die Umweltkatastrophe aufmerksam. Ogoniland ist quasi mit Pipelines, Brunnen und anderen Förderanlagen übersät. Das Trinkwasser, die Böden und große Mangrovenwälder sind dort extrem verschmutzt. Vielerorts liegt Ölgestank in der Luft.