Medizin

Forscher entdecken Arznei gegen tödliches Ebola-Virus

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Jana Schlütter

Foto: picture-alliance/ dpa / picture-alliance/ dpa/dpa

Ist man mit dem Ebola- oder Marburg-Virus infiziert, stirbt man elendig. Ein neues Mittel soll die Immunabwehr des Körpers stärken.

Gegen zwei der tödlichsten Viren überhaupt – Marburg und Ebola – haben Forscher der US-Armee möglicherweise je ein Medikament gefunden. Erste Versuche mit Affen waren Erfolg versprechend: 60 Prozent der Tiere überlebten eine Infektion mit dem gefürchteten Ebola-Zaire-Stamm, wenn sie 30 bis 60 Minuten später mit Avi-6002 behandelt wurden.

Im Falle des Marburg-Virus erholten sich sogar alle mit Avi-6003 behandelten Tiere, berichten die Forscher um Sina Bavari vom United States Army Medical Research Institute of Infectious Diseases (USAMRIID) in Fort Detrick im Fachjournal „Nature Medicine“.

Bisher gibt es weder für Marburg noch für Ebola eine Impfung oder eine Behandlung. Wer sich mit den Viren infiziert, geht elend zugrunde – er wird lethargisch, erbricht sich, blutet aus allen Geweben. Zuletzt lösen sich die inneren Organe förmlich auf.

90 Prozent der infizierten Menschen und 100 Prozent der infizierten Affen sterben. Besonders die Körperflüssigkeit kurz vor dem Tod des Wirts ist hochansteckend.

Die nun getesteten Medikamente blockieren wichtige Gene, die die Viren zur Vermehrung brauchen. Sie schenken dem Körper wertvolle Zeit, um die eigene Immunabwehr auf die Eindringlinge anzusetzen. Ohne Behandlung mit Avi-6002 wären nach einer Woche 100-mal mehr Ebola-Viren im Blut.

Ein solches Medikament könnte zum Beispiel einen bestehenden Ausbruch in einem Krankenhaus oder einer Pflegestation kontrollierbarer machen. Auch nach einer versehentlichen Infektion im Labor könnte es helfen.

So hatte sich im Frühjahr 2009 eine Forscherin des Bernhard-Nocht-Instituts in Hamburg im Hochsicherheitslabor beim Hantieren mit dem Virus durch die Schutzkleidung gestochen und kam mit Verdacht auf Ebola ins Krankenhaus. Sie überlebte.

Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat nun Tests mit menschlichen Freiwilligen zugelassen, um die Nebenwirkungen der neuen Medikamente zu prüfen. Herkömmliche klinische Studien kann es bei so gefährlichen Viren nicht geben – und natürliche Ausbrüche sind zu unberechenbar, um sie für die Forschung zu nutzen.

Die FDA lässt daher in solchen Fällen ausnahmsweise Medikamente zu, wenn sie im Tierversuch ihre Effizienz bewiesen haben und sich die Nebenwirkungen bei gesunden Menschen im Rahmen halten.

Aus Angst vor Bioterrorismus mit den Viren ist besonders das Verteidigungsministerium der USA an den Medikamenten interessiert - die Biotech-Firma AVI BioPharma, die mit den Forschern kooperiert, hat für die weitere Arbeit bereits einen Vertrag über 291 Millionen Dollar in der Tasche.