Forensik

"Animal CSI" sucht nach Beweisen für Tierquälerei

Polizisten und Veterinäre werden in den USA in Forensik geschult: Sie sollen erkennen, ob ein Tier gequält wird – und wann es gestorben ist.

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An einem warmen Nachmittag streifen sechs Gruppen von Tierärzten durch einen Wald nahe Gainesville im US-Staat Florida. Sorgfältig suchen sie den Tatort nach Beweisen ab. An dieser Stelle soll ein rituelles Tieropfer stattgefunden haben, an einer anderen wurden Tiere offenbar wahllos erschossen. In Anlehnung an eine populäre Fernsehserie bezeichnen sich die Ermittler als „Animal CSI“ – Tier-Spurensicherung.

Melinda Merck hat an der Universität von Florida das erste Trainingsprogramm für Tier-Forensik gegründet und in zwei- bis dreitägigen Kursen bereits rund 200 Teilnehmer ausgebildet. Die Veterinärin ist eine der wenigen Spezialisten für die Untersuchung von Gewalt gegen Tiere. Als Mitarbeiterin der Amerikanischen Gesellschaft gegen Tierquälerei hilft sie Ermittlern regelmäßig bei der Spurensuche in Fällen von Tiermissbrauch. An der Universität von Florida teilt sie ihr Wissen nun mit Tierschützern, Polizisten und Tierärzten aus aller Welt.

„Wir haben alle mit Tierquälerei zu tun“, sagt Tierärztin Cheryl Clark aus San Diego, die an dem Forensik-Seminar in Gainesville teilnimmt. „Ich möchte Tieren umfassender helfen und die Verfolgung von Tierquälern ist dafür der richtige Weg.“ Die Teilnehmer lernen, sterbliche Überreste zu exhumieren und Haare, Fasern sowie Blutspuren zu analysieren. Selbst Lebenszyklen von Insekten und Wachstumsphasen von Pflanzen stehen auf dem Lehrplan. Sie können Aufschluss über den Todeszeitpunkt geben.

Maden haben Merck vor Jahren auf die Idee zur Ausbildung von Tier-Forensiker gebracht. 2003 fand die Veterinärin aus Atlanta Maden auf den Überresten eines Tieres. Merck übergab sie dem Insektenkundler Jason Byrd und bat ihn, den Zeitpunkt des Todes festzustellen. Bislang hatte Byrd immer nur mit menschlichen Leichen zu tun gehabt – im Auftrag von Ermittlern in der ganzen Welt analysiert er Verwesungsprozesse und sucht nach Hinweisen auf den Todeszeitpunkt. Merck sei die erste Tierärztin gewesen, die sich für die Methoden professioneller Ermittler interessiert habe, sagt Byrd. Das imponierte ihm: Gemeinsam gründeten Merck und Byrd schließlich das Trainingsprogramm für Tier-Forensik an der Universität von Florida.

Im vergangenen Jahr hat Merck mit ihren Teams 25 Tatorte untersucht und bei den Ermittlungen gegen den größten Hundekampf-Ring der US-Geschichte mitgearbeitet. Dabei wurden 400 Pit Bulls in sechs US-Staaten gerettet und 26 Verdächtige festgenommen.

Auch als Bundesbeamte gegen den Football-Star Michael Vick ermittelten, riefen sie Merck zur Hilfe. Auf dem Grundstück des ehemaligen Quarterbacks der Atlanta Falcons waren die Kadaver von acht Pit Bulls entdeckt worden. Gemeinsam mit Komplizen hatte Vick die Tiere getötet, wenn sie in Hundekämpfen nicht die geforderte Leistung erbrachten. An den exhumierten Knochen konnte Merck zudem Bissspuren aus den Hundekämpfen nachweisen. „Was wir rekonstruierten, stimmte nicht mit seiner Version der Ereignisse überein“, sagt Merck über Vick.

Der Football-Spieler wurde 2007 wegen Verschwörung zu 18 Monaten Haft und weiteren zwei Monaten Hausarrest verurteilt. Nicht einmal einen Monat nach seiner Freilassung unterschrieb er im August 2009 einen neuen Profivertrag und wirbt seither bei Auftritten öffentlichkeitswirksam für Tierliebe.