Autobahn der Dinos

Hobbyforscher finden größte Saurier-Fußabdrücke

Schritt für Schritt führt eine Fährte in die Urzeit. Rund 150 Millionen Jahre alt sind die versteinerten Fußabdrücke. Und sind nicht nur alt: Im Durchmesser sind die Abdrücke eineinhalb Meter groß. Kein Wunder, denn ihre Urheber waren die größten Lebewesen, die je über die Erde liefen.

Foto: AFP

Vor etwa 150 Millionen Jahren gab es in etwa dort, wo heute die Autobahn A 40 Genf mit Lyon verbindet, offenbar eine Art Riesensaurier-Rennbahn. Das legen die spektakulären Saurierfußabdrücke nahe, die französische Naturfreunde nahe dem Dorf Plagne im Département Ain entdeckt haben. Ein Forschungsinstitut in Lyon erklärte sie jetzt voller Begeisterung zu den „größten Saurierspuren der Welt“.

Zwischen 1,50 und zwei Meter Durchmesser haben die Abdrücke, welche die Amateur-Saurierspurensucher Marie-Hélène Marcaud und Patrice Laundry am 5. April dieses Jahres entdeckten, als sie die Gegend am Rande des Jura-Gebirges durchstreiften. Die Piste ist mehrere Hundert Meter lang. Ersten Untersuchungen zufolge stammen die Spuren von Sauropoden, riesigen Pflanzenfressern, zu denen auch der Brontosaurus gehört. Jene Exemplare, die durch den Jura rumpelten, waren etwa 25 Meter lang und bis zu 40 Tonnen schwer. Der eher schlecht ausgewuchtete Körper verfügte über einen sehr langen Hals und einen ebenso langen Schwanz, was sich im Verlauf der Evolution als eher unpraktisch erwies. Der Sauropode sah seltsamerweise aus, als wäre er von einem kurvenverliebten Autodesigner entworfen worden.

Die Entdecker sind Mitglieder der Societé des naturalistes d’Oyonnax (SDNO), einer Organisation, die seit Jahren die Voralpenregion systematisch nach Saurierspuren durchsucht. Nach ihrem Fund informierten sie das paläontologische Forschungsinstitut der Universität Lyon. Dessen Direktoren Jean-Michel Mazin und Pierre Hantzpergue begannen daraufhin mit umfangreichen Untersuchungen, die sie nun der Presse vorstellten. In ihrem Labor am nationalen Forschungszentrum CNRS analysierten Mazin und Hantzpergue Gesteinsproben und Kalkablagerungen und kamen zu dem Schluss, dass es sich um Sauropoden-Spuren handeln muss.

Die Kalkablagerungen stammen aus der Periode des Oberjuras, sie sind etwa 150 Millionen Jahre alt. Zu dieser Zeit soll die Gegend von einem seichten und relativ warmen Meer bedeckt gewesen sein. Die Wassertemperatur lag bei angenehmen 23 Grad. Die Sauropoden nutzten offenbar den relativ niedrigen Meeresspiegel zum regelmäßigen Wassertreten. Die Leiter des paläontologischen Labors in Lyon hoffen nun, noch weitere Spuren in der Region entdecken zu können. Durch die Anzahl und Größe der bereits gefundenen und möglicherweise vorhandenen Spuren sei die Fundstelle bei Plagne völlig „außergewöhnlich“.

Um in den kommenden Jahren in dem zehn Hektar großen Gebiet die nötigen Ausgrabungen und geologischen Untersuchungen durchzuführen, ist ein hoher technischer und personeller Aufwand erforderlich. Mehrere Experten des Lyoner Forschungszentrums arbeiten bereits vor Ort. Für den CNRS-Direktor Jean-Michel Mazin bietet der Fund auch die Gelegenheit, die geologischen Kenntnisse über die Region zu vertiefen. Die Spuren wiesen darauf hin, dass der Jura in der fraglichen Zeit eine Region war, die aus dem Meer, das jenen Teil Europas damals bedeckte, herausragte, so Mazin: „Damals lag der Jura in etwa auf Höhe des Meeresspiegels, weshalb manche vermuten, er sei vom Wasser bedeckt gewesen. Aber wenn hier vor 150 Millionen Jahre Tiere rumgelaufen sind, dann bedeutet dies wohl, dass die Gegend in dieser Zeit nicht mehr unter Wasser stand.“

Die Hoffnungen mancher Saurierfans, dass man in der Gegend nun vielleicht auch noch das ein oder andere Sauropoden-Skelett finden könnte, bremst Mazin jedoch: Bei der Größe der Viecher sei es eher unwahrscheinlich, dass ein gesamter Saurierkörper schnell unter der Erde verschwunden und fossilisiert worden sei. Nur so überdauerten aber Skelette. Dass man den einen oder anderen Knochen oder Zahn findet, will Mazin indes nicht ausschließen.