Physik

Was Lenas Satellit so alles bedeuten kann

Lenas Siegersong beim ESC trug den Titel "Satellite". Aber was ist eigentlich ein Satellit? Der Begriff steht nicht nur für Himmelskörper.

Ganz Deutschland freut sich mit Lena über ihren Sieg beim europäischen Song Contest in Oslo. Doch wer hätte gedacht, dass man bei diesem Wettbewerb tatsächlich mit einem Lied punkten kann, in dem das Wort „Physik“ vorkommt. Eine Textzeile lautet schließlich: „It’s physics, there’s no escape.“

Dieser Satz beschreibt zweifelsohne die Grundsätzlichkeit von Naturgesetzen. Der Mond zum Beispiel hat keine Wahl. Er muss die Erde umkreisen, weil es die Gesetze der Physik halt so verlangen und es hier keinerlei Ermessenspielraum gibt.

Lena zeigt sich damit klüger als manch ein Politiker. Die erwecken bisweilen den Eindruck, als wollten sie um naturwissenschaftliche Fakten – bei Energie- oder Klimafragen – ebenso feilschen wie Koalitionspartner um die Eckpunkte eines Regierungsprogramms.

Doch zurück zu Lenas preisgekröntem Song. Bereits der Titel „Satellite“ legt eine gewisse wissenschaftliche Affinität nahe. Der vom lateinischen Wort „satelles“ (Begleiter, Leibwächter) abgeleitete Begriff hat nämlich zahlreiche Bedeutungen in den Naturwissenschaften.

So werden zum Beispiel bestimmte Viren als Satelliten bezeichnet oder auch Endabschnitte an den kurzen Schenkeln von Chromosomen. In der Astronomie steht der Begriff Satellit für einen Himmelskörper, der ein anderes kosmisches Objekt umrundet. So ist die Erde ein Satellit der Sonne und der Mond ein Satellit der Erde.

Dieser Logik folgend, werden heute auch künstliche Himmelskörper, die einen Planeten oder einen Mond umkreisen, als Satelliten bezeichnet. Ohne Satelliten, die TV-Programme europa- oder auch weltweit live verbreiten können, wären Veranstaltungen wie der europäische Song Contest gar nicht durchführbar. Insofern ist in dem Lied auch eine Hymne auf jene Technologie versteckt, die Lenas Erfolg mithin erst möglich machte.

Fernsehsatelliten werden durch die Gravitationskraft der Erde in ihrem Orbit gehalten. Sie befinden sich alle in einer Höhe von 36.000 Kilometern, weil sie nur dort ebenso schnell um die Erde herumsausen, wie sich der blaue Planet unter ihnen weiterdreht.

Das hat zur Folge, dass diese Satelliten scheinbar an einer bestimmten Position über dem Erdboden zu schweben scheinen. Nur weil dies so ist, reicht es, die Satellitenschüssel auf eine bestimmte Richtung auszurichten. Die Fernsehsatelliten „stehen fest“ am Himmel, stets über dem Äquator, sodass die Empfangsschüsseln in eine südliche Richtung weisen.

„Like a satellite I’m in an orbit all the way around you“, singt Lena, und wir verstehen, was sie meint. Spannend wird es jedoch, wenn es im Song dann weiter heißt: „A force more powerfull than gravity.“

Okay, Satellit Lena wird also nicht durch Gravitation in ihrer Bahn gehalten. Physiker kennen ja durchaus noch drei weitere Naturkräfte: die elektromagnetische Kraft, die schwache sowie die starke Kraft. Und tatsächlich ist es so, dass die Gravitationskraft von den vier Naturkräften die mit großem Abstand schwächste ist. Dennoch: Lena hat gewiss keine dieser Kräfte gemeint. Hier enden die physikalischen Metaphern. Die stärkste Kraft außerhalb der Physik kann ja nur die Liebe sein.