Hitzeentwicklung

Wenn der Laptop den Oberschenkel grillt

Mit dem Laptop kann man eigentlich überall arbeiten: auf dem Sofa, im Park – oder im Bett. Doch wer gerne mit dem Notebook auf dem Schoß sitzt, könnte seine Gesundheit schädigen: Mediziner berichten jetzt über irreversible Gewebeschäden auf den Oberschenkeln von Patienten als Folge von aufgeheizten Laptops.

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Computerprozessoren werden bei zunehmender Leistung immer kompakter. Damit nimmt - auch wenn die Chip-Entwickler mit Stromspartechniken gegenzusteuern versuchen - auch die Energiemenge zu, die nutzlos als Abwärme aus dem Rechner entfleucht.


Von einer Nebenwirkung (im medizinischen Wortsinne) berichteten schon in der Vergangenheit Ärzte: Leichte Verbrennungen ohne dauerhafte Schäden bei Menschen, die ihren Laptop (wörtlich: "auf dem Schoß") zu lange eben dort, nämlich auf dem Schoß, betrieben hatten. Die Hitze reicht durch die Kleidung und verursacht ähnliche Beschwerden wie eine zu heiße Wärmflasche.


Nun berichtet ein französischer Mediziner von einer weiteren unangenehmen Begleiterscheinung: offenbar irreversible Gewebeschäden auf Oberschenkeln. Der Internist Claude Bachmeyer aus Paris wurde von einem 27-jährigen Patienten mit einer netzartigen rotbraunen Hauterscheinung konsultiert. Der Patient berichtete ihm, dass sie entstanden sei, nachdem er einen neuen Laptop gekauft und danach täglich mehrere Stunden gearbeitet habe - wie häufig üblich lag das Notebook auf den Oberschenkeln. Die Hautveränderung schmerze allerdings nicht.

Bachmeyer berichtete kürzlich im "Journal of the European Academy of Dermatology and Venerology" über den Hautschaden, der als "Erythema ab igne" (EAI, wörtlich: Röte durch Feuer) bezeichnet wird. Zunächst war die Rötung stets wieder verschwunden, erläuterte der Patient, mittlerweile ziere die Netzstruktur den rechten Oberschenkel aber schon seit mehreren Monaten.

Fünf derartige Fälle seien bisher dokumentiert, schreibt Bachmeyer in dem Fachmagazin. Durch Mikroprozessoren in Computern mit immer höherer Rechenleistung und damit auch größerer Hitzeentwicklung sei zu befürchten, dass die Zahl der Fälle von EAI zunimmt. Ganz neu sei den Medizinern das Phänomen nicht, berichtet jetzt die "Ärztezeitung".

Vergleichbare Hautveränderungen gebe es unter anderem bei Köchen und Bäckern sowie Menschen, die häufig längere Zeit am Kaminfeuer sitzen, sich mit Heizdecken wärmen oder auch häufig elektrischen oder Gasheizstrahlern ausgesetzt sind. Auch von Patienten mit chronischen Schmerzen berichten Mediziner, die sich regelmäßig zur Linderung (zu heiße) Hitzekissen auf die schmerzende Körperstellen gelegt haben.

Ihnen allen sei gemein, dass exponierte Hautstellen längere Zeit Temperaturen oder Wärmestrahlung (Infrarotstrahlen) zwischen 43 und 47 Grad ausgesetzt sind. Das ist zu wenig, um Verbrennungen hervorzurufen. Es ist aber doch so viel, dass auf die Dauer elastische Fasern in der Haut zerstört werden und die Pigmentierung zunimmt. Bei Köchen und Bäckern, die beständig an Herden und Backöfen stehen oder über heißen Pfannen und Töpfen gebeugt sind, ist das EAI als Berufskrankheit anerkannt.

In seltenen Fällen bleibt es nicht beim kosmetischen Hautproblem, die häufige Hitze droht dann in benachbarte sensible Regionen einzuwirken: Bei Männern kann sie die Spermienbildung stören und so die Fruchtbarkeit einschränken. In ganz seltenen Fällen kann in der Haut gar ein bösartiges Karzinom zu wuchern beginnen.

Den Laptop auf eine feste Unterlage statt auf die Schenkel und die Hose zu stellen nützt auch dem Gerät: Auf einer festen Unterlage mit etwas Abstand ist die Belüftung besser, das Gerät heizt sich weniger stark auf, und der Mikroprozessor kann nicht durchschmoren.