Radioaktiver Müll

Russlands Trauminsel für Atomschmuggler

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Es ist das Untergangszenario der Terror-Experten: "dreckige Bomben", die mit radioaktivem Material versetzt sind. Ganze Städte könnten unbewohnbar werden, die Strahlung dringt in jeden Winkel. Auf der Atommüll-Halbinsel Kola im Nordwesten Russlands ist das Material dafür leicht zu beschaffen.

Bei einer Konferenz der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Edinburgh wurde deutlich, dass nach wie vor ein besonderes Risiko von der Halbinsel Kola im Nordwesten Russlands ausgeht. In dieser Region, die an Finnland und Norwegen grenzt, befinden sich 35 Nuklearanlagen. Dort gebe es hoch angereichertes Uran tonnenweise und auch die weltweit größten Mengen radioaktiven Mülls, berichtet der schwedische Atominspektor Lars van Dassen vom Swedish Nuclear Power Inspectorate (SKI). Ein gemeinsamer Bericht der russischen Atomenergiebehörde und des SKI nennt die Lage in Kola „beunruhigend“.

Die russische Atomenergiebehörde und SKI haben gemeinsam analysiert, wie hoch das Risiko ist, dass in Kola nukleares Material von Kriminellen entwendet und auf dem Schwarzmarkt verkauft werden kann. Gelänge es Terroristen, in den Besitz von hoch angereichertem Material zu gelangen, wäre aber sogar der Bau einer Atombombe denkbar. Und auch das US-Außenministerium geht davon aus, dass sich weltweit 130 Terrororganisationen um strahlendes Material bemühen.

In Osteuropa sind seit 1999 Jahr für Jahr immer wieder neue Fälle von Uranschmuggel bekannt geworden. So wollten etwa im Dezember 2001 Kriminelle ein Kilogramm atomwaffentaugliches Uran-235 für 33.600 Euro an dubiose Interessenten verkaufen. In diesem Fall konnte die russische Polizei in letzter Sekunde eingreifen und das sensible Nuklearmaterial sicherstellen. Und erst in der vergangenen Woche wurden an der ungarisch-slowenischen Grenze drei Männer festgenommen, die ein Kilogramm Uran schmuggeln wollten. Die Zahl dieser Fälle hat in den vergangenen Jahres dramatisch zugenommen. Allein im vergangenen Jahr wurden von der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA das Delikt Nukleardiebstahl 149 registriert. Dabei weiß niemand genau, wie groß die Dunkelziffer ist. Experten schätzen, dass nur fünf bis zehn der Schmuggelfälle aufgedeckt werden.

Aufbauend auf der gemeinsamen Analyse wollen Russland und Schweden jetzt auf Kola ein regionales Sicherheitssystem aufbauen. Dazu zählt unter anderem die Installation von Überwachungsdetektoren mit denen die Strahlung von radioaktiven Substanzen, zum Beispiel an Werkstoren, registriert werden kann. Bislang wird es Dieben in vielen Atomanlagen offenbar noch zu leicht gemacht, Nuklearmaterial zu entwenden.

Die baltischen Nachbarländer könnten, so befürchten Experten, eine zentrale Rolle bei der Weiterleitung von aus Kola stammendem Nuklearmaterial spielen. Deshalb haben in dieser Woche Lettland und die USA eine Kooperation vereinbart, die den Nuklearschmuggel durch das baltische Land verhindern soll. Die USA werden Detektoren für radioaktive Strahlung nach Lettland liefern, mit denen an Flug- und Seehäfen sowie den Grenzkontrollstellen an Straßen gefahndet werden kann.