Gefährlicher Darmkeim

EHEC-Erreger werden zurückkommen

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Zwar ebbt die EHEC-Seuche ab, doch verbannen lässt sich der agressive Keim nicht. Verbraucher, Forscher und Behörden müssen sich auf dessen Rückkehr vorbereiten. Sie wollen das Meldeverfahren von Erkrankungen verbessern.

Seit Anfang Mai sind bundesweit mehr als 3000 Menschen an EHEC erkrankt. Rund 850 von ihnen entwickelten das Hämolytisch Urämische Syndrom (HUS), das bei mindestens 48 Patienten zum Tode führte. Zwar sind EHEC-Fälle meldepflichtig, doch das Infektionsschutzgesetz sieht dabei keine Eile vor. Bis zu zwei Wochen darf es dauern, bis eine Meldung, die ihren Weg vom Arzt über das kommunale Gesundheitsamt und die Landesbehörde nimmt, schließlich beim Robert-Koch-Institut landet. Dieses darf indes nur Empfehlungen aussprechen.

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Die praktische Umsetzung ist Sache der Bundesländer. Experten fordern schon seit Jahren eine Instanz, die im Seuchenfall über die Zuständigkeiten hinweg, schnell handeln kann. Bislang tauschen die Behörden wichtige Nachrichten immer noch per Postbrief aus. Das soll künftig schneller gehen, beschlossen nun die Gesundheitsminister. „Das Meldeverfahren muss an die modernen Kommunikationsmöglichkeiten angepasst werden“, sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr.

Die USA machen's vor

Wie so etwas geht, machen die USA vor. Dort analysieren Seuchenexperten im Center for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta täglich die von Praxen und Kliniken elektronisch gemeldeten Befunde. Häufen sich bestimmte Infektionen, wird das sofort erkannt.

Wie wertvoll eine gute Vernetzung ist, demonstrierte die Wissenschaft. Bereits eine Woche nach Eintreffen der ersten Stuhlproben im Referenzlabor des Instituts für Hygiene der Universitätsklinik Münster präsentierte das Team um den Mikrobiologen Helge Karch den genetischen Steckbrief des Erregers. Die genaue Kenntnis der genetischen Identität des Erregers ist Voraussetzung dafür, gezielt Medikamente einsetzen zu können. Antibiotika, die sonst gegen Bakterien zum Einsatz kommen, sind keine Waffe gegen EHEC-Erreger.

In höchster Not setzten Kliniken das Antikörper-Medikament Eculizumab ein, das nicht für die Behandlung von EHEC-Infektionen zugelassen ist. Es dämmt die massiven Blutungen ein. Nach dem hierzulande erste Fälle von HUS-Erkankungen bekannt wurden, stellte das „New England Journal of Medicine“ die bei ihm eingereichten Studien online, so dass die Ärzte darauf zugreifen konnten. Auch die Pharmaindustrie zog mit und stellte das Antikörper-Medikament kostenlos zur Verfügung. Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie wurden damit 100 bis 150 Patienten behandelt. Der US-Hersteller Alexion will nun eine Zulassung zur EHEC-Therapie beantragen.

( svdw )