Gefährlicher Darmkeim

EHEC-Angst - Berliner meiden noch immer Salat

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Gemüsehändler leiden noch immer unter den Folgen der EHEC-Epidemie. Trotz Entwarnung meiden viele Berliner nämlich nach wie vor Salat. Bei Gurken und Tomaten greifen sie hingegen wieder beherzt zu. In der Hauptstadt gab es insgesamt 63 EHEC-Erkrankungen.

Vor Waltraud Meiser türmen sich die Tomaten und Gurken in den Kisten. Seit der gefährliche Darmkeim EHEC bei Verbrauchern für Unsicherheit sorgt, hat die Verkäuferin nicht mehr allzu viele Tüten mit dem roten und grünen Gemüse auf Wochenmärkten in Berlin gefüllt. „Das Geschäft zieht aber wieder an“, sagt die 62-Jährige, während sie auf dem Hackeschen Markt Kisten mit Obst und Gemüse zurechtrückt. Nur auf dem Salat bleibe sie noch sitzen.

Vom 1. Mai bis Donnerstag (30. Juni) gab es in Berlin laut Gesundheitssenat 63 Fälle von EHEC-Erkrankungen, 17 Menschen litten an der schweren und lebensbedrohlichen Verlaufsform HUS. „Die EHEC-Welle ebbt ab“, sagt eine Sprecherin. Jetzt gebe es nur noch einzelne Neuerkrankungen – und die auch nicht mehr täglich.

Mit der nun langsam abklingenden EHEC-Epidemie hatte jedoch vor zwei Monaten für Gemüsehändler wie Waltraud Meiser ein Albtraum begonnen. „Bei Salaten setzen wir immer noch 50 Prozent weniger ab als vor EHEC“, sagt die Verkäuferin. Weshalb Gurken und Tomaten wieder mehr Zuspruch finden, die Verbraucher aber Salate meiden - „ich habe keine Erklärung dafür“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. Das Gemüse galt zeitweise als Auslöser für die Epidemie. „Der Sommer war normalerweise eine umsatzstarke Zeit, zum Ansparen für Wochen, in denen es nicht so gut läuft.“

Nicht alle Gemüsehändler hatten Umsatzeinbrüche

Bei anderen Gemüsehändlern geht das Geschäft wieder besser oder es lief gar nicht erst schlecht. Rund fünf Kilometer Luftlinie vom Hackeschen Markt entfernt reicht Sybille Baronick einen Blumenkohl über die provisorische Ladentheke. Am Wittenbergplatz verkaufen an diesem Donnerstag Landwirte aus verschiedenen Regionen Brandenburgs frisch geerntetes Obst und Gemüse. „Eine Krise? Nein die hatten wir nicht“, betont Baronick und verweist auf eine große Zahl von Stammkunden. Als Supermärkte Gurken aus Spanien aus den Regalen nahmen, „kamen die Leute zu uns“, erzählt die Verkäuferin stolz.

„Die Verbraucher waren verunsichert und sind es teilweise noch“, sagt Rosi Königseder, die ein paar Meter entfernt von Sybille Baronick ihren Stand aufgebaut hat. Die Kunden der 49 Jahre alten Verkäuferin hätten sogar einen terroristischen Anschlag als Grund für das rasche Ausbreiten des Keims vermutet. Beim Salat habe sie allerdings noch nicht das Absatzniveau vor Ausbruch der EHEC-Welle erreicht, bei Gurken und Tomaten schon.

Handelsverband rechnet mit Entspannung

Von einer noch anhaltenden Kaufzurückhaltung spricht auch der Handelsverband Berlin-Brandenburg. Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen rechnet aber damit, dass sich das Geschäft mit Gemüse „in zwei bis drei Wochen wieder vollkommen normalisiert hat“. Es sei ein normaler Vorgang, dass Märkte, die stark eingebrochen sind, sich nur langsam erholten.

Es gibt also wieder mehr Berliner wie Günter Rothe, die Salat nicht länger meiden wollen. „Die Behörden haben ja Entwarnung gegeben, jetzt werde ich mich wieder an Gurken und Tomaten herantrauen“, erklärt der 80-Jährige und zeigt auf seine mit Gemüse gefüllte Tüte. Angst vor einer Ansteckung habe er nicht mehr.

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( dapd/nbo )