Gefährliches Bakterium

EHEC-Erreger wieder auf Salat entdeckt

Eigentlich sollten es nur noch die Sprossen sein. Für Tomaten, Gurken und Salat hatte es längst EHEC-Entwarnung gegeben. Doch nun wurde auf einem Salat in Bayern EHEC nachgewiesen. Ein Zusammenhang mit der jüngsten Infektionswelle ist aber unklar.

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Bei Gemüseproben in Bayern ist auf einem Salat der Durchfallerreger EHEC nachgewiesen worden. Es handle sich um einen roten Blattsalat („Lollo Rosso“) eines Fürther Gemüseerzeugers, teilte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen mit. In dem betroffenen Betrieb werde ermittelt. Lieferwege würden analysiert und Salate des Erzeugers aus dem Handel genommen.

Ob es sich bei dem Keim um den gefährlichen Typ handele, der die schwere Komplikation Hämolytisch-Urämisches Syndrom (HUS) auslösen kann, sei noch unklar. Das Ergebnis solle kommende Woche vorliegen. Ein Zusammenhang zur Infektionswelle in Norddeutschland ist der Behörde zufolge jedoch unwahrscheinlich.

Diese Auffassung vertrete auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin, teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium mit. Ein Sprecher sagte, seit dem ersten EHEC-Verdachtsfall seien bundesweit fast 9000 Lebensmittelproben genommen worden, vor allem von Gurken, Tomaten, Blattsalat und Sprossen. Bei einem so breit angelegten Vorgehen sei von Beginn zu erwarten gewesen, dass vereinzelt auch andere EHEC-Keime gefunden werden, die nicht zu dem Stamm gehören, die die zahlreichen EHEC-Erkrankungen in Deutschland verursachen.

Während Stamm und Quelle des Fürther Salats noch unbekannt sind, sind Sprossen von einem Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel zweifelsfrei als Träger des Erregers, der für jüngste Infektionswelle verantwortlich ist, identifiziert. Nicht geklärt ist jedoch, ob Mitarbeiter den Keim eingeschleppt haben oder er durch Saatgut oder andere Quellen in den Betrieb gelangte. In Deutschland sollten derzeit keine rohen Sprossen gegessen werden – auch keine selbst gezogenen, warnen Behörden. Wer nicht auf die Keimlinge verzichten will, sollte sie gut abkochen oder braten, raten Verbraucherschützer.

36 Menschen sind bisher an den Folgen der EHEC-Erkrankung gestorben, darunter ein Mensch in Schweden. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) nimmt die Zahl der EHEC-Neuerkrankungen aber ab. Seit einigen Tagen werden „auf deutlich niedrigerem Niveau“ Fälle übermittelt, teilte die Behörde mit. Ob der Rückgang auf ein verändertes Essverhalten oder auf ein Versiegen der Infektionsquelle zurückzuführen ist, konnte das RKI nicht sagen. „Die Situation scheint unter Kontrolle zu sein“, sagte EU-Verbraucherkommissar John Dalli bei einem Treffen auf Malta.

In der EHEC-Krise haben die Bauern zum Teil heftige Verluste eingefahren. Experten der 27 EU-Mitgliedstaaten kommen nun in Brüssel zusammen, um über millionenschwere Entschädigungen für Gemüsebauern wegen der EHEC-Krise zu entscheiden. Für Umsatzeinbußen sollen die europäischen Landwirte laut einem Vorschlag der EU-Kommission 210 Millionen Euro statt der zunächst geplanten 150 Millionen Euro erhalten. Das Geld soll bis Juli bereitstehen und aus dem EU-Agrarhaushalt kommen.