Totale Mondfinsternis

Berliner sollten perfekte Sicht auf Blutmond haben

Der Wettergott soll es mit den Berlinern gut meinen, hieß es noch am Nachmittag. Sie könnten die totale Mondfinsternis an einem wolkenlosen Himmel miterleben. Doch dann kam ein Tief über Skandinavien.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Ein Tief über Skandinavien droht die Sicht auf die totale Mondfinsternis am Mittwochabend zu trüben. Vor allem im Norden und Westen Deutschlands erwartet der Deutsche Wetterdienst (DWD) Bewölkung und mancherorts sogar Regen. Besser sind Beobachter in Süd- und Ostdeutschland dran. Wer Glück mit dem Wetter hat, kann das rotbraun leuchtende Himmelsphänomen zwischen Mondaufgang gegen 21 Uhr und Mitternacht am Südosthorizont bestaunen. Doch auch in Berlin sahen viele vergebsn gen Himmel.

Der Mond wandert dabei durch den Erdschatten. In Deutschland geht der Erdtrabant bereits verfinstert auf. Rotbraun schimmernd stieg er nach 21 Uhr über den Südosthorizont.

Eintritt des Mondes in den Kernschatten: 20.23 Uhr (In Deutschland nicht sichtbar)

Beginn der Totalität: 21.22 Uhr

Mitte der Finsternis: 22.13 Uhr

Ende der Totalität: 23.03 Uhr

Austritt des Mondes aus dem Kernschatten: 00.03 Uhr

Wann geht der Mond auf?

In...

Berlin 21.23 Uhr

Bremen 21.45 Uhr

Frankfurt/Main 21.19 Uhr

Hamburg 21.43 Uhr

Köln 21.40 Uhr

Leipzig 21.20 Uhr

München 21.07 Uhr

Nürnberg 21.16 Uhr

Stuttgart 21.20 Uhr

Wien 20.48 Uhr

Zürich 21.16 Uhr

Zwar wird der Vollmond bereits total verfinstert sein, wenn er gegen 21.30 Uhr kurz nach Einbruch der Dämmerung im Südosten aufgeht. Allerdings ist es dann noch nicht möglich, den dunklen Erdtrabanten mit freiem Auge zu erspähen – schließlich steht er vor noch hellem Himmel ganz tief am Horizont. Da die totale Verfinsterung des Mondes bis etwa 23 Uhr andauert, wachsen aber mit zunehmender Dunkelheit auch die Beobachtungschancen.

Finsternisse sind das Ergebnis des himmlischen Wechselspiels von Sonne, Mond und Erde. Bei einer Mondfinsternis steht die Erde auf einer geraden Linie zwischen Sonne und Mond – der Vollmond taucht also in den Schatten ein, den die von der Sonne angestrahlte Erde ins Weltall wirft. Durch den Kernschatten der Erde wird der Mond teilweise, seltener auch vollständig verfinstert.

Bei einer Sonnenfinsternis ist es umgekehrt: Dann zieht der Neumond von der Erde aus gesehen vor der Sonnenscheibe vorbei, wirft also seinen Schatten auf unseren Planeten. Das Ergebnis ist je nach Beobachtungsort auf der Erdoberfläche eine teilweise, ganz selten auch eine totale Verfinsterung der Sonne.

Wie eindrucksvoll der "Blutmond" bei der Finsternis am Mittwoch sein wird, bleibt auch bei gutem Wetter abzuwarten – die Sichtbedingungen sind jedenfalls schon wegen der Jahreszeit nicht optimal. Schließlich fällt die Finsternis sechs Tage vor der Sommersonnenwende und dem Sommerbeginn am 21. Juni in die Zeit der hellsten Nächte des Jahres.

Zudem verläuft die Mondbahn in dieser Jahreszeit sehr flach über dem Horizont, so dass sich Beobachter auf jeden Fall einen Platz mit freier Sicht auf dem Südhorizont suchen müssen. Nach dem Ende der totalen Verfinsterung am späten Mittwochabend werden Himmelsgucker dann zusehen können, wie sich der Erdschatten langsam von der Mondscheibe zurückzieht und immer größere Teile des strahlend hellen Vollmondes freigibt.

Dass eine Mondfinsternis nicht jedesmal bei Vollmond auftritt, ist auf die leichte Neigung der Mondbahn gegen die Ekliptik – die Ebene der Erdbahn – zurückzuführen. Wegen dieser Neigung von rund fünf Grad wandert der Mond auf seiner Bahn um die Erde meist ober- oder unterhalb des Erdschattens vorbei.

Nur wenn der Vollmond exakt in einem der beiden Schnittpunkte von Mondbahn- und Erdbahnebene steht, wird er vom Erdschatten erfasst. Diese Schnittpunkte heißen auch Drachenpunkte – in Anlehnung an die chinesische Mythologie: Beim Anblick einer Finsternis glaubten die Menschen im alten China, dass ein Himmelsdrache das Gestirn verschlingt.

Die nächste Mondfinsternis über Deutschland wird es übrigens schon am 10. Dezember 2011 geben. Auch dieses kosmische Schauspiel ist allerdings nicht in kompletter Länge zu sehen, weil beim Mondaufgang die Phase der totalen Verfinsterung vielerorts bereits vorüber sein wird. Eine totale Mondfinsternis in gesamter Länge können Astrofans an unserem Himmel erst wieder im September 2015 bestaunen.

Die Mondfinsternis wird nach Angaben der Berliner Wilhelm-Foerster-Sternwarte nicht nur in Deutschland, sondern auch gut im östlichen Mittelmeergebiet zu beobachten sein, etwa an der türkischen Riviera oder in Ägypten. In weiten Teilen Afrikas, auf den Inseln im Indischen Ozean, im nahen und Mittleren Osten, in Südasien und in der gesamten Antarktis werde die Mondfinsternis in ihrem kompletten Verlauf sichtbar sein.