Gespenstisches Phänomen

Wo Sie die totale Mondfinsternis sehen können

Am heutigen Mittwoch erlebt Deutschland eine totale Mondfinsternis. Wenn das Wetter mitspielt, ist das rotbraun leuchtende Himmelsphänomen zwischen Mondaufgang gegen 21 Uhr und Mitternacht am Südosthorizont zu sehen.

Foto: picture-alliance/ dpa

Nur eine knappe Woche vor der kürzesten Nacht des Jahres ist am Mittwochabend eine totale Mondfinsternis über Deutschland zu sehen – so das Wetter mitspielt und Himmelsgucker sich mit einem Fernglas oder ein wenig Geduld wappnen.

Die Aussichten sind besonders für den Süden und Osten Deutschlands gut. Im Nordwesten könnten Wolken nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts den Ausblick auf den Mond verdecken. Besondere Vorsichtsmaßnahmen wie Schutzbrillen sind nicht notwendig.

Der Verlauf der Finsternis

Eintritt des Mondes in den Kernschatten: 20.23 Uhr (In Deutschland nicht sichtbar)

Beginn der Totalität: 21.22 Uhr

Mitte der Finsternis: 22.13 Uhr

Ende der Totalität: 23.03 Uhr

Austritt des Mondes aus dem Kernschatten: 00.03 Uhr

Wann geht der Mond auf?

In... Berlin 21.23 Uhr

Bremen 21.45 Uhr

Frankfurt/Main 21.19 Uhr

Hamburg 21.43 Uhr

Köln 21.40 Uhr

Leipzig 21.20 Uhr

München 21.07 Uhr

Nürnberg 21.16 Uhr

Stuttgart 21.20 Uhr

Wien 20.48 Uhr

Zürich 21.16 Uhr

Zwar wird der Vollmond bereits total verfinstert sein, wenn er gegen 21.30 Uhr kurz nach Einbruch der Dämmerung im Südosten aufgeht. Allerdings ist es dann noch nicht möglich, den dunklen Erdtrabanten mit freiem Auge zu erspähen – schließlich steht er vor noch hellem Himmel ganz tief am Horizont. Da die totale Verfinsterung des Mondes bis etwa 23 Uhr andauert, wachsen aber mit zunehmender Dunkelheit auch die Beobachtungschancen.

Finsternisse sind das Ergebnis des himmlischen Wechselspiels von Sonne, Mond und Erde. Bei einer Mondfinsternis steht die Erde auf einer geraden Linie zwischen Sonne und Mond – der Vollmond taucht also in den Schatten ein, den die von der Sonne angestrahlte Erde ins Weltall wirft. Durch den Kernschatten der Erde wird der Mond teilweise, seltener auch vollständig verfinstert.

Bei einer Sonnenfinsternis ist es umgekehrt: Dann zieht der Neumond von der Erde aus gesehen vor der Sonnenscheibe vorbei, wirft also seinen Schatten auf unseren Planeten. Das Ergebnis ist je nach Beobachtungsort auf der Erdoberfläche eine teilweise, ganz selten auch eine totale Verfinsterung der Sonne.

Wie eindrucksvoll der "Blutmond" bei der Finsternis am Mittwoch sein wird, bleibt auch bei gutem Wetter abzuwarten – die Sichtbedingungen sind jedenfalls schon wegen der Jahreszeit nicht optimal. Schließlich fällt die Finsternis sechs Tage vor der Sommersonnenwende und dem Sommerbeginn am 21. Juni in die Zeit der hellsten Nächte des Jahres.

Zudem verläuft die Mondbahn in dieser Jahreszeit sehr flach über dem Horizont, so dass sich Beobachter auf jeden Fall einen Platz mit freier Sicht auf dem Südhorizont suchen müssen. Nach dem Ende der totalen Verfinsterung am späten Mittwochabend werden Himmelsgucker dann zusehen können, wie sich der Erdschatten langsam von der Mondscheibe zurückzieht und immer größere Teile des strahlend hellen Vollmondes freigibt.

Dass eine Mondfinsternis nicht jedesmal bei Vollmond auftritt, ist auf die leichte Neigung der Mondbahn gegen die Ekliptik – die Ebene der Erdbahn – zurückzuführen. Wegen dieser Neigung von rund fünf Grad wandert der Mond auf seiner Bahn um die Erde meist ober- oder unterhalb des Erdschattens vorbei.

Nur wenn der Vollmond exakt in einem der beiden Schnittpunkte von Mondbahn- und Erdbahnebene steht, wird er vom Erdschatten erfasst. Diese Schnittpunkte heißen auch Drachenpunkte – in Anlehnung an die chinesische Mythologie: Beim Anblick einer Finsternis glaubten die Menschen im alten China, dass ein Himmelsdrache das Gestirn verschlingt.

Die nächste Mondfinsternis über Deutschland wird es übrigens schon am 10. Dezember 2011 geben. Auch dieses kosmische Schauspiel ist allerdings nicht in kompletter Länge zu sehen, weil beim Mondaufgang die Phase der totalen Verfinsterung vielerorts bereits vorüber sein wird. Eine totale Mondfinsternis in gesamter Länge können Astrofans an unserem Himmel erst wieder im September 2015 bestaunen.

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