Tödlicher Keim

Erstmals stirbt Kind nach EHEC-Infektion

Im niedersächsischen Celle ist ein zweijähriger Junge an den Folgen einer EHEC-Infektion gestorben - das erste Todesopfer der Infektionswelle im Kindesalter. Allerdings ebbt die Welle weiter ab. Seit einigen Tagen gibt es deutlich weniger Neuerkrankungen.

Zum ersten Mal ist in Deutschland ein Kind an den Folgen einer EHEC-Infektion gestorben. Ein zweijähriger Junge aus dem niedersächsischen Landkreis Celle starb in der Nacht zum Dienstag in der Medizinischen Hochschule Hannover , wie ein Sprecher des Landkreises bestätigte. Bislang war das jüngste vom Robert-Koch-Institut (RKI) registrierte Opfer in Deutschland 20 Jahre alt.

Wie der Celler Amtsarzt Carsten Bauer der „Celleschen Zeitung“ bestätigte, starb das Kleinkind am frühen Morgen infolge von Nierenversagen und einer Auflösung von roten Blutkörperchen. In der Familie seien zudem der zehnjährige Bruder und der Vater des Toten an EHEC erkrankt. Diese sind inzwischen aber nach Angaben des Amtsarztes bereits wieder auf dem Weg der Besserung.

Wie sich die Familie angesteckt hat, war zunächst noch unklar. Der kleine Junge war seit Montag vergangener Woche wegen der Darmerkrankung an der MHH behandelt worden, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Hannover sagte. Wegen der Situation in der Familie habe man detaillierte Ermittlungen zur Ansteckungsquelle noch nicht durchführen können, hieß es.

Mit dem Tod des Jungen stieg die Zahl der Toten in Niedersachsen auf zwölf – bundesweit wurden bisher 36 Tote gemeldet. Die Infektionswelle ebbt allerdings weiter ab. Das Robert-Koch-Institut (RKI) teilte mit, dass seit einigen Tagen deutlich weniger Neuerkrankungen als in den Tagen zuvor mitgeteilt werden. Damit bestätigte sich der Trend, dass die Seuche ihren Höhepunkt überschritten hat.

Der bisherige Höhepunkt der Ehec-Infektionen sei am 23. Mai mit 155 Fällen registriert worden, teilte das RKI mit. Seither werde ein stetiger Rückgang festgestellt. Ähnlich sei es bei der lebensgefährlichen Komplikation durch das HU-Syndrom. Hier sei der bisherige Höhepunkt am 21. Mai mit 61 Fällen registriert worden. Derzeit gebe es 3235 Ehec- oder HUS-Fälle.

Sprossenhof angezeigt

Inzwischen konkretisierte sich der Verdacht, dass der gefährliche Erreger der jüngsten Infektionswelle über Sprossen eines niedersächsischen Betriebes verbreitet wurde. Unklar ist noch, wie das Bakterium auf den Hof gelangte. Möglicherweise war das Saatgut verunreinigt.

Die Behörden setzten am Dienstag die Befragung der Mitarbeiter des Betriebes in Bienenbüttel fort. Sie sollten über ihre Ernährungsgewohnheiten Auskunft geben, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums in Hannover, Thomas Spieker. Nach der Befragung von neun der mehr als 20 Beschäftigten hatte sich ergeben, dass die EHEC-Welle möglicherweise auf den Genuss von Brokkoli-, Bockshorn- oder Knoblauchsprossen zurückgeht.

Die drei Arten wurden bevorzugt von fünf Mitarbeiterinnen des Betriebes verzehrt, die an Durchfall erkrankten oder positiv auf EHEC getestet waren. Dies deutet darauf hin, dass das Saatgut verunreinigt gewesen sein könnte. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hielt die Warnung aufrecht, wonach vorsichtshalber auch keine selbstgezogenen Sprossen mehr verzehrt werden sollen.

Die belasteten Sprossen haben möglicherweise ein juristisches eine juristisches Nachspiel für den Erzeuger in Bienenbüttel. Gegen die Betreiber des Biohofes ist erstattet worden. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg prüfe derzeit den Vorwurf der fahrlässigen Tötung und gemeingefährlicher Vergiftung, berichtete am Dienstag die Lüneburger „Landeszeitung“. Ein Mann aus Münster, der selbst nicht an EHEC erkrankt ist, habe die Betreiber angezeigt.