Gefährlicher Darmkeim

Erste Anzeige gegen Sprossenhof in Bienenbüttel

Sprossen von dem Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel gelten zweifelsfrei als Träger des Erregers. Nun wurde erstmals Anzeige gegen den Erzeuger erstattet – wegen fahrlässiger Tötung und gemeingefährlicher Vergiftung.

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Wegen der mit EHEC-Keimen belasteten Sprossen aus Bienenbüttel ist Anzeige gegen die Betreiber des Biohofes erstattet worden. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg prüfe derzeit den Vorwurf der fahrlässigen Tötung und gemeingefährlicher Vergiftung, berichtet die Lüneburger „Landeszeitung“. Ein Mann aus Münster, der selbst nicht an EHEC erkrankt ist, hatte die Betreiber angezeigt. „Wir prüfen derzeit, ob wir das Verfahren zuständigkeitshalber an die Staatsanwaltschaft Oldenburg abgeben. Dort ist die Zentralstelle für Landwirtschaftsstrafsachen“, sagte der Behördensprecher. Weitere Anzeigen im Zusammenhang mit dem Biohof lägen bislang nicht vor.

Unterdessen niedersächsischen Gesundheitsbehörden die Befragungen von Mitarbeitern des Sprossenerzeugers fortgesetzt. Nach und nach würden alle Mitarbeiter des seit dem 5. Juni gesperrten Gartenbaubetriebes auf EHEC getestet und nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums in Hannover am Dienstag. Bedienstete des Gesundheitsamtes des Landkreises Uelzen müssten die Mitarbeiter des Betriebes dazu unter ihren Privatadressen aufsuchen.

Vergangene Woche wurden nach Angaben von Ministeriumssprecher Thomas Spieker zunächst 9 der mehr als 20 Mitarbeiter des Betriebes interviewt. Daraus ergab sich, dass die EHEC-Welle möglicherweise auf den Genuss von Brokkoli-, Bockshorn- oder Knoblauchsprossen zurückgeht. Die drei Sprossenarten wurden bevorzugt von fünf Mitarbeiterinnen des Betriebes verzehrt, die an Durchfall erkrankten oder positiv auf EHEC getestet waren. Vier andere befragte Mitarbeiterinnen blieben von EHEC verschont und verzehrten bevorzugt Alfalfasprossen oder eine Sprossenmischung ohne die verdächtigen drei Sorten.

Nicht geklärt ist jedoch, ob Mitarbeiter den Keim eingeschleppt haben oder er durch Saatgut oder andere Quellen in den Betrieb gelangte. In Deutschland sollten derzeit keine rohen Sprossen gegessen werden – auch keine selbst gezogenen, warnen Behörden. Wer nicht auf die Keimlinge verzichten will, sollte sie gut abkochen oder braten, raten Verbraucherschützer.

Leichte Entwarnung

Im Gegensatz zu Sprossen gab es erneut Entwarnung bei Salat. Der entdeckte Ehec-Erreger auf Salat aus einem Betrieb bei Fürth in Bayern steht offenbar nicht in Zusammenhang mit der jüngsten Infektionswelle. „Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass es sich um den gefährlichen Typ des Erregers handelt“, sagte der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder Nürnberg.

Die Infektionswelle ebbt weiter ab. Das Robert-Koch-Institut (RKI) teilte mit, dass seit einigen Tagen deutlich weniger Neuerkrankungen als in den Tagen zuvor mitgeteilt werden. Damit bestätigte sich der Trend, dass die Seuche ihren Höhepunkt überschritten hat.

Der bisherige Höhepunkt der Ehec-Infektionen sei am 23. Mai mit 155 Fällen registriert worden, teilte das RKI mit. Seither werde ein stetiger Rückgang festgestellt. Ähnlich sei es bei der lebensgefährlichen Komplikation durch das HU-Syndrom. Hier sei der bisherige Höhepunkt am 21. Mai mit 61 Fällen registriert worden. Derzeit gebe es 3235 Ehec- oder HUS-Fälle. 35 Menschen seien in Deutschland daran gestorben.