Darmkeim

Labortests zeigen kein EHEC bei Sprossen

An Sprossen aus Niedersachsen ist bislang kein EHEC-Erreger nachgewiesen worden. Von 40 Proben seien bislang 23 unverdächtig gewesen, teilte das niedersächsische Landwirtschaftministerium mit. Die Suche gehe aber weiter.

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Erste Labortests von Sprossen aus einem niedersächsischen Saatgutbetrieb haben nach amtlichen Angaben noch keinen Nachweis von Erregern der lebensgefährlichen Ehec-Darminfektionen erbracht.

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Die ersten 23 von 40 Sprossen-Proben aus dem verdächtigen Betrieb in Bienenbüttel (Kreis Uelzen) sind EHEC-frei. Das teilte das niedersächsische Verbraucherministerium am Montag mit. Bei 17 Proben laufen weitere Untersuchungen. Sie waren unter anderem aus dem Wasser, von Arbeitstischen und aus der Lüftungsanlage genommen worden. Die Suche nach dem EHEC-Erreger gestalte sich schwierig, weil seit dem Ausbruch der Epidemie schon mehrere Wochen vergangen seien.

Dennoch sieht das Verbraucherministerium den Hof weiter als wahrscheinliche Quelle für den lebensbedrohlichen Darmkeim. „Wir halten an dem Verdacht fest“, betonte Sprecher Gert Hahne. „Unsere Kausalkette ist wasserdicht und plausibel. Sie reißt nicht ab.“ Die Spur führt nach Recherchen des niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz (LAVES) von dem Hof in verschiedene Restaurants und Kantinen in Norddeutschland, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Überall dort hatten später erkrankte Menschen gegessen.

Laut Ministeriumssprecher ist nicht auszuschließen, dass vor Wochen eine Ladung Saatgut kontaminiert war, die längst verbraucht wurde. Das Saatgut für die Sprossen stammt demnach aus mehreren Ländern. Die Mitarbeiter des Gärtnerhofes Bienenbüttel zeigten sich auf ihrer Internetseite „erschüttert und besorgt“ über den Verdacht.

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) rät trotz der bislang negativen EHEC-Proben weiter von dem Verzehr von Sprossen ab. Diese Empfehlung gelte, solange nicht alle Untersuchungen abgeschlossen seien und der Verdacht nicht vollständig ausgeschlossen sei, sagte die Ministerin. Auch auf den Verzehr von rohen Tomaten, Gurken und Salatblättern solle vor allem in Norddeutschland weiterhin verzichtet werden.

Bundesweit wurden bis Montagnachmittag mindestens 22 Todesopfer infolge einer EHEC-Infektion gezählt, nachdem das Gesundheitsamt im Kreis Segeberg am Montag den Tod einer 90-jährigen Frau in Schleswig-Holstein gemeldet hatte. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) erkrankten bisher mehr als 2200 Menschen. Demnach gibt es aber Hinweise für einen leichten Rückgang der Fallzahlen.

Handel nimmt Sprossen aus den Regalen

Viele Einzelhändler in Deutschland haben den Verkauf von Sprossengemüse wegen des Verdachts mittlerweile eingestellt. Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe berichtete am Montag, er habe alle Sprossen aus dem Verkauf genommen. Dies gelte nicht nur für die Rewe-Supermärkte, sondern auch für die Discountkette Penny, für Karstadt-Feinkost, die Temma-Biomärkte und die toom-Verbrauchermärkte. Ebenso bei Edeka.

Auch die SB-Marktkette Real verkauft zurzeit keine Sprossen mehr. Das Gemüse sei, ebenso wie vorgeschnittene Salate bereits in der vergangenen Woche aus dem Sortiment genommen worden. Sowohl Rewe als auch Real betonten, sie hätten diese Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, obwohl ihre Sprossen nicht von dem niedersächsischen Hersteller stammten, dessen Produkte als möglicher Träger des EHEC-Erregers in Verdacht geraten sind.

Alte Packung in Hamburg gefunden

Ein an EHEC erkrankter Hamburger hat in seinem Kühlschrank eine mehrere Wochen alte Packung Sprossen gefunden. Die 100-Gramm-Packung der Mischung „Milde Sprossen“ stamme aus dem Gartenbaubetrieb in Bienenbüttel, sagte die Leiterin der Lebensmittelüberwachung des Bezirks Eimsbüttel, Marianne Pfeil-Warnke, am Montag. Durch die Kontrolle der Lieferwege waren die niedersächsischen Behörden am Wochenende auf die Spur der Sprossen als möglicher EHEC-Verursacher in der Gärtnerei im Landkreis Uelzen gekommen.

Die Sprossen-Packung des Hamburgers trägt Pfeil-Warnke zufolge das Ablaufdatum 23. April 2011 und wird nun vom Institut für Hygiene und Umwelt untersucht. Der 42-Jährige war Anfang Mai an dem gefährlichen EHEC-Erreger erkrankt und in einem Krankenhaus in Lüneburg behandelt worden. Er sei inzwischen wieder gesund, sagte Pfeil-Warnke. Der Mann hatte die Sprossen aus seinem Kühlschrank am Montagmorgen im Bezirksamt Eimsbüttel abgegeben. Sollte die Packung Keime enthalten, seien diese auch heute noch nachweisbar, sagte Pfeil-Warnke. Sinje Köpke vom Institut für Hygiene und Umwelt bestätigte den Eingang der Packung. Sie rechne frühestens am Dienstag mit Ergebnissen.

Bislang gibt es in Hamburg keinen Nachweis des EHEC-Erregers auf Sprossen. Das Institut für Hygiene und Umwelt hatte in den vergangenen Wochen acht Sprossen-Proben untersucht, davon fünf aus dem in Verdacht stehenden Betrieb im niedersächsischen Bienenbüttel, wie ein Sprecher der Gesundheitsbehörde am Montag in Hamburg mitteilte. Alle acht Proben seien EHEC-frei gewesen.

Umsatz bei Gemüse halbiert

Durch die EHEC-Krise dürften nach Schätzung des Deutschen Bauernverbands (DBV) die Landwirte bislang 50 Millionen Euro an Einnahmen verloren haben. „An einem normalen Tag beträgt der Umsatz bei Gemüse 10 Millionen Euro, derzeit wird es ungefähr die Hälfte sein“, sagte ein Sprecher des DBV am Montag.

Vor allem die Zurückhaltung beim Kauf von Salaten, Gurken und Tomaten bringe den Bauern schwere Einbußen. Die Verzehrwarnungen seien gerade während der Hauptwachstumszeit dieser Gemüsearten gekommen. Die Verbraucher seien darüber hinaus jedoch generell verunsichert. „Auch bei Erdbeeren und Spargel wird derzeit weniger gekauft.“ Ein Umsatzrückgang bei Sprossen würde hingegen die Branche voraussichtlich weniger schwer treffen.

Um diese Sprossen geht es

Das niedersächsische Verbraucherschutzministerium hat vor dem Verzehr roher Sprossen etwa in Salaten gewarnt. Nach Angaben des Ministeriums soll ein Sprossen herstellender Gartenbaubetrieb in Bienenbüttel im Landkreis Uelzen durch den Vertrieb verunreinigter Produkte für EHEC-Erkrankungen verantwortlich sein. Laut Verbraucherschutzminister Gert Lindemann hat der mittlerweile gesperrte Betrieb 19 verschiedenen Sprossensorten oder -mischungen angeboten:

– Azukibohnenkeime

– Alfalfasprossen

– Bockshornkleesprossen

– Brokkolisprossen

– Erbsenkeime

– Kichererbsenkeime

– Knoblauchsprossen

– Kressenkeime

– Linsensprossen

– Mungobohnensprossen

– Radieschensprossen

– Rettichsprossen

– Rotkohlsprossen

– Sonnenblumenkeime

– Weizenkeime

– Zwiebelsprossen

– Crunchy-Mix

– Milde Mischung

– Würzige Mischung

Mungobohnensprossen werden in Deutschland landläufig als „Sojasprossen“ bezeichnet.