Tödlicher Darmkeim

Verdächtige Sprossen nicht nach Berlin geliefert

Nach dem EHEC-Verdacht bei Sprossen wurde geprüft, ob Produkte aus dem betroffenen niedersächsischen Bio-Betrieb auch in die Hauptstadt geliefert wurden. Ein Berliner Hersteller liefert seine Ware vorerst nicht mehr aus.

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Sprossen könnten die Quelle für die lebensgefährlichen EHEC-Infektionen in Deutschland sein

Video: Reuters
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Von dem in EHEC-Verdacht geratenen niedersächsischen Betrieb ist nach bisherigen Erkenntnissen kein Sprossengemüse nach Berlin gelangt. Dennoch sollen die Kontrollbehörden in den Geschäften sicherheitshalber prüfen, ob sich Sprossen des Herstellers im Handel befinden, teilte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit mit. Sprossen von einem Biohof in Uelzen könnten die Epidemie ausgelöst haben, sicher war das zunächst aber nicht. Das niedersächsische Agrarministerium hatte am Sonntag erklärt, dass der Hof eine mögliche EHEC-Quelle sei.

Unterdessen hat einer der größten Berliner Sprossenhersteller seine Ware am Montag nicht ausgeliefert, sondern Proben testen lassen. „Wir wollen jedes Risiko ausschließen“, sagte Wolfgang Funkhauser, einer der Geschäftsführer der Sprossenmanufaktur in Friedrichshain. Da der Betrieb ausschließlich Saatgut und Trinkwasser für die Produktion verwende, sei nicht mit Verunreinigungen zu rechnen. Es würden weder Erde und noch Dünger eingesetzt.

In Berlin sind bislang 47 Infektionen mit dem Darmbakterium EHEC bekannt. Davon leiden 16 Menschen unter der schweren Folgekrankheit HUS oder es besteht der Verdacht darauf. Aktuelle Zahlen wollte die Senatsverwaltung am Montagnachmittag bekanntgeben.

Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) hat bei der Suche nach der Quelle des EHEC-Erregers vor voreiligen Schlüssen gewarnt. „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen, es gelten weiterhin besondere Vorsicht bei frischem Gemüse und die entsprechenden Hygienemaßnahmen“, sagte sie am Montag.

Um diese Sprossen geht es

Das niedersächsische Verbraucherschutzministerium hat vor dem Verzehr roher Sprossen etwa in Salaten gewarnt. Nach Angaben des Ministeriums soll ein Sprossen herstellender Gartenbaubetrieb in Bienenbüttel im Landkreis Uelzen durch den Vertrieb verunreinigter Produkte für EHEC-Erkrankungen verantwortlich sein. Laut Verbraucherschutzminister Gert Lindemann hat der mittlerweile gesperrte Betrieb 19 verschiedenen Sprossensorten oder -mischungen angeboten:

– Azukibohnenkeime

– Alfalfasprossen

– Bockshornkleesprossen

– Brokkolisprossen

– Erbsenkeime

– Kichererbsenkeime

– Knoblauchsprossen

– Kressenkeime

– Linsensprossen

– Mungobohnensprossen

– Radieschensprossen

– Rettichsprossen

– Rotkohlsprossen

– Sonnenblumenkeime

– Weizenkeime

– Zwiebelsprossen

– Crunchy-Mix

– Milde Mischung

– Würzige Mischung

Mungobohnensprossen werden in Deutschland landläufig als „Sojasprossen“ bezeichnet.