Keim-Quelle

Lübeck rückt ins Zentrum der EHEC-Ermittler

Eine mögliche Spur des EHEC-Ausbruchs weist nach Lübeck. In der Hansestadt könnten sich Menschen aus mehreren Reisegruppen in einem Lokal infiziert haben. Wie der Betreiber reagiert.

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Die Quelle der lebensgefährlichen EHEC-Infektionen ist weiter unbekannt, die Zahl der Erkrankten steigt.

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Mehr als 2000 Infizierte, 19 Tote – fieberhaft suchen Experten der Behörden und des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) nach der Quelle der EHEC-Infektionswelle. Eine Spur führte sie jetzt nach Lübeck. Befragungen hatten ergeben, dass 17 Erkrankte aus dem gesamten Bundesgebiet am 13. Mai in einem Restaurant in der Lübecker Altstadt gegessen haben. Eine Frau, die dort zu Gast war, soll an der EHEC-Infektion gestorben sein.

Unter den Erkrankten ist auch eine Gruppe der Deutschen Steuer-Gewerkschaft (DSTG), wie der Bundesvorsitzende Dieter Ondracek bestätigte. Die DSTG vertritt Mitarbeiter der Finanzverwaltung. Auch Mitglieder einer dänischen Besuchergruppe sollen erkrankt sein. Der Mikrobiologe Werner Solbach sagte: „Bislang gab es nur vage Hinweise, wo, wann und was Erkrankte gegessen haben. Hier gibt es erstmals eine Gemeinsamkeit.“

Wie der Betreiber des „Kartoffelkellers“,Joachim Berger, der Morgenpost Online sagte, habe das Gewerbeaufsichtsamt ihm am Montag erstmals vom EHEC-Verdacht berichtet und die üblichen Gemüseproben genommen. „Ware vom 13. Mai war da natürlich nicht mehr dabei“, so Berger. An dem Tag habe es Steak und Salat gegeben. Im ZDF ergänzte er am Abend, die Proben seien nicht belastet gewesen. Berger schließt aber nicht aus, dass er eine verseuchte Lieferung erhalten haben könnte. Seine Ware komme über Zwischenhändler vom Großhandel in Hamburg. Berger sagte zudem, dass die Besuchergruppe der Steuer-Gewerkschaft insgesamt vier Tage in Lübeck gewesen sei. Sie habe aber nur an einem Abend bei ihm gegessen. Es sei also keineswegs sicher, dass die Gruppe sich bei ihm infiziert habe. Er selbst und seine Angestellten wurden ebenfalls untersucht. Die Ergebnisse werden am Montag erwartet.

Das Kieler Verbraucherschutzministerium schwächte Berichte über eine „heiße Spur“ deshalb auch wieder ab. Dies sei „derzeit durch die Faktenlage nicht gedeckt“, sagte Ministeriumssprecher Christian Seyfert am Sonnabend.

Die Hamburger Gesundheitsbehörde wies zudem Spekulationen zurück, wonach das Hafenfest vom 6. bis 8. Mai mit 1,5 Millionen Besuchern Auslöser der Infektionswelle gewesen sein könnte. Das sei allein zeitlich nicht möglich.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) sucht derzeit mit zehn Teams nach der Infektionsquelle. Diese befragen Patienten in Krankenhäusern und Kontrollpersonen auf der Straße. Auch verschiedene Restaurants waren bereits ins Visier der EHEC-Ermittler geraten, unter anderem in Hamburg und in der Nähe von Schwerin.

Führende Veterinär- und Labormediziner halten es auch für denkbar, dass die EHEC-Erreger ihren Ursprung im Gärsubstrat von Biogasanlagen haben. „In den Gärbehältern der Biogasanlagen entstehen Bakterien, die es zuvor noch nie gegeben hat“, sagte Bernd Schottdorf, Gründer des mit 1500 Mitarbeitern größten privaten europäischen Medizinlabors Schottdorf MVZ in Augsburg, Morgenpost Online.

Die EU ist inzwischen deutlich besorgt. EU-Gesundheitskommissar John Dalli bot an, Experten nach Deutschland zu schicken. Die Experten könnten den „kompetenten deutschen Behörden“ bei der Suche nach dem Ursprung der Infektion helfen – „Ergebnisse überprüfen und zu den fortlaufenden Untersuchungen beitragen, um die Identifizierung der Quelle zu beschleunigen“. Bislang konnte in keiner Probe von Salat, Gurken oder Tomaten die Erregervariante O104 nachgewiesen werden. Auch 50 Lebensmittelproben aus Spanien waren nicht belastet.

In Berlin wurden nach Angaben der Senatsgesundheitsverwaltung zunächst keine neuen Fälle von EHEC oder der lebensgefährlichen Komplikation HUS gemeldet. Auch sämtliche Proben von Gemüse aus der Hauptstadt, die bislang untersucht wurden, sind nicht mit dem Bakterium verunreinigt.