Neuer Toter

EHEC-Welle – Polizei ermittelt gegen Großhändler

Auf der Suche nach der Quelle des gefährlichen Darmkeims hat die Polizei jetzt Ermittlungen gegen einen Großhändler aufgenommen – wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz. Unterdessen steigt die Zahl der Infektionen und auch die der Toten.

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Die Quelle der lebensgefährlichen EHEC-Infektionen ist weiter unbekannt, die Zahl der Erkrankten steigt.

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Nach dem Fund von vier mit EHEC belasteten Gurken auf dem Hamburger Großmarkt hat die Polizei Ermittlungen aufgenommen. Es werde derzeit gegen zwei Großhändler und ein Restaurant ermittelt, sagte eine Polizeisprecherin. Auch wenn sich herausgestellt habe, dass diese Gurken nicht im Zusammenhang mit den schweren Darmerkrankungen stünden, müsse trotzdem von einer Gesundheitsgefahr ausgegangen werden. Den Angaben zufolge ermittelt die Polizei wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz.

„Wir ermitteln wegen des Verdachts des Inverkehrbringens von gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln im Zusammenhang mit den kontaminierten Gurken“, sagte ein Polizeisprecher der "Bild“-Zeitung. Den Angaben zufolge werden die Ermittlungen von der Wasserschutzpolizei geführt, sie ist für Lebensmitteldelikte zuständig.

Todesfall in Thüringen

Thüringen hat einen ersten EHEC-Todesfall. Eine 80 Jahre alte Frau aus dem Freistaat ist während einer Reha-Kur in Mecklenburg-Vorpommern an einer Infektion mit dem aggressiven Darmkeim gestorben. Die Frau aus dem Kreis Nordhausen starb bereits am Mittwoch, wie Thüringens Sozialministeriums-Sprecher Uwe Büchner am Freitag sagte. Sie habe wie drei weitere Frauen aus Erfurt und Eisenach an dem äußerst gefährlichen HUS-Syndrom gelitten, das Blutarmut und Nierenkomplikationen entwickelt.

In Brandenburg gibt es möglicherweise den ersten EHEC-Toten. Am Freitag sei ein Patient im Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum gestorben, der zu den bislang sieben bestätigten Fällen gehört habe, teilte das Gesundheitsministerium mit. Dabei sei jedoch unklar, inwieweit die Infektion mit dem gefährlichen Darmbakterium die Ursache dafür war. Nach Ministeriumsangaben gibt es derzeit außerdem 13 EHEC-Verdachtsfälle. Vier Menschen leiden an der Folgeerkrankung hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS), die zu einer schweren Schädigung der Nieren führen kann

EHEC-Infektionen auch durch Fleisch

Infektionen mit dem EHEC-Erreger werden in den häufigsten Fällen durch das Essen von Fleisch verursacht. Darauf hat der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Andreas Zapf, in Nürnberg hingewiesen. „In aller Regel erfolgt eine Infektion über Fleischverzehr.“ Eine Übertragung durch Gemüse sei „eher selten“, betonte der LGL-Präsident.

Bei den bislang bekannten EHEC-Infektionen in Bayern gebe es keine regionalen Häufungen. Die Krankheitsfälle seien über das ganze Land verteilt, sagte Zapf. „Man kann davon ausgehen, dass die Infektionsquelle im Raum Hamburg zu suchen ist“, sagte der Experte. Von den 16 Patienten aus Bayern, die derzeit an der schweren Verlaufsform HUS erkrankt sind, seien 12 vor ihrer Erkrankung in Hamburg gewesen.

Nicht ausreichend Blut und Blutplasma

Der DRK Blutspendedienst Nord ist wegen der schweren EHEC-Fälle auf Blutlieferungen aus Süddeutschland angewiesen. In den vergangenen zehn Tagen habe der Blutspendedienst Nord 7.500 Plasmaeinheiten an die Krankenhäuser verteilt, sagte der Sprecher des Dienstes, Jens Lichte, am Freitag auf dapd-Anfrage in Lütjensee. Normalerweise benötigten die Krankenhäuser etwa 800 bis 1.000 Einheiten pro Monat.

Der DRK Blutspendedienst Nord ist für Hamburg und Schleswig-Holstein zuständig. „Wir sind jetzt dabei, aus dem DRK-Verbund mit Blutplasma versorgt zu werden“, sagte Lichte. Die Lieferungen kämen vor allem aus Hessen, Baden-Württemberg und Bayern, wo das gefährliche Darmbakterium weniger stark grassiert.

Die Krankenhäuser benötigen Blutplasma, um Patienten bei Nierenversagen behandeln zu können. Bei ihnen wird das Plasma an einer Dialysemaschine ausgetauscht. Betroffen sind vor allem die am lebensbedrohlichen Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) erkrankten Patienten. Sie benötigen laut Lichte pro Plasmaaustausch die Spenden von 10 bis 15 Blutspendern. Zwar habe sich in den vergangenen Tagen die Zahl der Blutspender im Norden um 12 bis 14 Prozent erhöht, aber dies reiche keineswegs aus. EHEC-Patienten benötigen neben Plasma auch andere Bestandteile des Blutes.

Ein Versorgungsengpass an Blut und Blutplasma droht laut Lichte in absehbarer Zeit nicht. In Süddeutschland seien noch genügend Vorräte vorhanden. Blutplasma kann eingefroren und zwei Jahre lang gelagert werden. Für Niedersachsen und Bremen waren am Freitag keine aktuellen Zahlen an Blutspenden erhältlich. Ein Sprecher des DRK sagte aber, es drohe kein Versorgungsengpass.

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