Tiere

Krokodilstränen gibt es wirklich

Krokodilstränen sind keine Heuchelei. Die Echsen verspüren zwar kein Mitgefühl mit ihren Opfern, sondern vergießen ihre Tränen aus rein biologischen Gründen. Zischen, Schnaufen, Pressen – das alles spielt dabei eine Rolle.

Foto: Joachim Moog / Okapia

Krokodile weinen laut einer Untersuchung amerikanischer Forscher beim Verzehren ihrer Opfer tatsächlich - womit eine Jahrhunderte alte Redensart untermauert wäre, wonach das Vergießen von Krokodilstränen so viel bedeutet wie Trauer oder Betroffenheit zu heucheln. Bei der Untersuchung zeigte sich, dass die Reptilien beim Fressen nicht nur feuchte Augen bekommen, sondern dass es aus den Tränendrüsen mitunter sogar regelrecht sprudelt.

Angeregt wurde die Untersuchung durch den Bericht eines Neurologen über ein seltenes, mit Gesichtslähmung verbundenes Syndrom, bei der die Patienten beim Essen weinen müssen. Daraufhin untersuchte der Zoologe Kent Vliet von der Universität von Florida, ob der auch im Englischen gängige Ausdruck „Krokodilstränen vergießen“ tatsächlich auf biologischen Tatsachen beruht. In einem Zoo filmte Vliet vier Kaimane und drei Alligatoren beim Fressen. Dabei vergossen fünf der sieben Tiere tatsächlich Tränen, wie Vliet in dem Magazin „BioScience“ berichtet.

Mitgefühl mit den unglücklichen Opfern spiele dabei allerdings keine Rolle, erklärte Vliet. Weil die Tiere beim Fressen heftig zischen und schnaufen, werde Luft so stark durch die Nasenhöhlen gepresst, dass sie in die Tränendrüsen dringe und diese zum Entleeren bringe, vermutet Vliet. Die Krokodile des Parks konnte der Forscher allerdings nicht untersuchen. Im Gegensatz zu den gefangenen Kaimanen und Alligatoren verspeisen diese gewöhnlich ihr Futter im Wasser – wobei die Augen zwangsläufig feucht werden.