Psychologie

Beratungsresistenz zeichnet schlechten Chef aus

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Der Vorgesetzte ist das Alpha-Tier und weiß immer alles besser – mit dieser Einstellung macht sich der Chef selbst das Leben schwer und schadet auch dem Unternehmen. Wer nämlich nur Befehle erteilt und keine Ratschläge annimmt, nutzt das Potenzial der Mitarbeiter nicht aus, behaupten Forscher.

Vorgesetzte sollten sich nicht scheuen, offen für Ratschläge von Mitarbeitern zu sein. „Das wird oft als Schwäche angesehen“, sagte der Soziologe Prof. Holger Rust von der Universität Hannover. „Dabei zeichnet alle erfolgreichen Manager eine Eigenschaft aus: Sie können zuhören."


Vorgesetzte machen sich außerdem nur unnötig mehr Arbeit, wenn sie zu dominant sind. „Der Leitwolf denkt, dass er sich in jede operative Nebensächlichkeit einmischen muss. Dabei ist die Aufgabe als Führungskraft eigentlich, Strategien zu entwickeln“, erläuterte Rust, der seit Jahren Systeme und Ansätze im Management untersucht.


Derzeit sind viele Chefs aus Sicht angehender Führungskräfte zu wenig lernbereit, wie der Soziologe in einer Untersuchung herausgefunden hat. Über einen Zeitraum von neun Jahren wurden dabei rund 1300 Studenten und Berufsanfänger befragt, die einen Führungsposten in der Wirtschaft anstreben.


Sie stellen Vorgesetzten auch ein schlechtes Zeugnis aus, wenn es darum geht, Mitarbeiter zu ermutigen und sich offen und kooperativ zu zeigen. Dabei zeichneten gerade diese Eigenschaften den idealen Chef aus.


Kooperation bedeute aber nicht, dass der ideale Chef seine Autorität aufgibt. Auf der Entscheidungsebene müsse er weiter den Ton angeben. „Am Ende muss es einen geben, der die Entscheidungen trifft und die Verantwortung übernimmt“, erklärte Rust. Vorgesetzte nutzten das Potenzial der Mitarbeiter aber nicht aus, wenn sie nur Befehle erteilen. Hierfür sei vielmehr eine „Enthierarchisierung in der Kommunikation“ nötig.

Dass mancher Manager an traditionellen Mustern festhält, sei oft auch reine Unsicherheit, meinte Rust: „Es ist die Angst, ohne Landkarte in einen Wald zu gehen.“ Dass sie mit einer Strategie nach „Schema F“ sicher fahren, habe aber die Wirtschaftskrise widerlegt.

So zeige das Versagen von Managern beim Crash des Finanzmarktes, dass eine neue Kultur auf der Führungsebene nötig ist: „Die Kultur des kennzahlorientierten Formalismus ist gescheitert.“

( dpa/oc )