Gesundheit

Wo Zecken in Deutschland Krankheiten übertragen

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Foto: picture-alliance/ dpa-infografik / dpa

Der Winter war kalt, aber auch der Dauerfrost konnte den blutsaugenden Schmarotzer nichts anhaben. Kaum steigen die Temperaturen über acht Grad, lauern sie vielerorts wieder auf Beute. Im Süden Deutschlands sind Zecken als Überträger der Hirnerkrankung FSME gefürchtet. Doch die Spinnentiere verbreiten auch Borreliose – und zwar bundesweit.

Zecken werden als Überträger von gefährlichen Krankheiten gefürchtet – vor allem von Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Zwar dehnen sich die FSME-Risikogebiete in Deutschland seit Jahren aus. Ob aber auch die Zahl der durch Zecken übertragenen Erkrankungen steigt, ist unklar. Dies hängt vor allem von einem unvorhersehbaren Faktor ab - dem Wetter.


Dass der strenge Dauerfrost der Zeckenpopulation arg zugesetzt hat, glaubt Jochen Süss nicht. „Es gab lange Zeit eine geschlossene Schneedecke, unter der die Tiere überwintern konnten“, sagt der Leiter des Nationalen Referenzlabors für durch Zecken übertragene Krankheiten. Aber für die Aktivität der Zecken in den kommenden Monaten mag der Experte keine Prognose stellen. Das hänge von vielen Unwägbarkeiten ab.


Etwa vom Wetter: Gerade auf trockene Witterung reagieren die Spinnentiere äußerst empfindlich. „Zecken mögen es feucht“, sagt Volker Fingerle vom Nationalen Referenzzentrum für Borrelien. „Sinkt die lokale Luftfeuchte unter 80 Prozent, verkriechen sie sich in ihre Verstecke.“ Somit hängt das Infektionsgeschehen maßgeblich vom Klima ab: Ist es zu trocken, ziehen sich die Tiere zurück. Ist es zu nass, meidet der Mensch die Natur.


Nimmt man für die durch Zecken übertragenen Krankheiten FSME als Maßstab - die Viruserkrankung ist seit acht Jahren meldepflichtig -, so scheint die Zahl der Infektionen weitgehend konstant zu bleiben. Seit 2001 werden jährlich bundesweit zwischen 230 und 290 Fälle nachgewiesen, abgesehen von einer Steigerung in den Jahren 2004 und 2005.

Risiko-Areale dehnen sich seit Jahren aus

Allerdings dehnen sich die FSME-Areale seit Jahren aus. Im vorigen Sommer registrierte das Robert-Koch-Institut drei Erkrankungen im saarländischen St. Ingbert. In Österreich entdeckten Forscher eine FSME-tragende Zecke in mehr als 1.600 Metern Höhe. Dennoch: Die Risikogebiete liegen hierzulande - bis auf wenige Ausnahmen - in Süddeutschland, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg. Zur Schutzimpfung rät Süss jenen Menschen, die in diesen Zonen leben oder die dorthin reisen und sich viel in der Natur aufhalten.


Zwar verläuft eine FSME-Infektion bei den meisten Menschen symptomfrei. Aber bei etwa jedem dritten Infizierten verursachen die Viren nach ein bis zwei Wochen kurzzeitig leichtes Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Bei rund einem Drittel dieser Personen, also etwa zehn Prozent der Infizierten, erreichen die Viren das Zentrale Nervensystem (ZNS): Dann folgt eine Woche nach dem Abflauen der ersten Phase ein neuer Schub mit hohem Fieber und Übelkeit, mitunter Bewusstseinstrübungen und Lähmungserscheinungen. Rund ein Prozent dieser ZNS-Infektionen enden tödlich. Da die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs im Alter steigt, sollten sich vor allem Senioren schützen.

Borreliose bundesweit verbreitet


Im Gegensatz zu FSME bundesweit verbreitet ist die Borreliose, gegen die es keine Impfung gibt und an der jährlich 60.000 bis 100.000 Bundesbürger erkranken. Wie viele Zecken Borrelien tragen, hängt vor allem vom Entwicklungsstadium ab. Fingerle schätzt den Anteil auf ein Prozent der Larven, zehn Prozent der Nymphen und etwa 20 Prozent der erwachsenen Zecken.


Während der FSME-Erreger die Speicheldrüsen besiedelt und sofort nach dem Stich in die Wunde wechselt, leben Borrelien im Magen-Darm-Trakt der Zecken. Sie wechseln gewöhnlich erst nach längerem Saugen auf den Wirt über. Im Falle einer Übertragung setzt das Immunsystem die Borrelien meist außer Gefecht. Typischer Hinweis auf eine Borreliose ist die Wanderröte, eine Hautrötung um die Einstichstelle, die meist Tage oder Wochen nach dem Erregerkontakt auftritt. Mitunter bleibt dieses Warnsignal aus, und die Erreger verbreiten sich unbemerkt im Körper. Oft verursachen sie erst nach Monaten oder gar Jahren verschiedene Beschwerden, etwa grippeartige Symptome oder Gelenkschmerzen, meist im Knie.

Bluttest frühestens zwei Wochen nach Zeckenstich


Aufschluss über eine Borreliose kann ein Bluttest geben, der frühestens zwei Wochen nach dem Zeckenstich folgen sollte und der zeigt, ob der Körper Antikörper gegen die Erreger gebildet hat. Ein Nachweis für die Krankheit ist dies aber nicht, da viele Menschen Antikörper auch nach unproblematischem Kontakt zu den Keimen tragen. Im Falle einer Erkrankung töten Antibiotika die Bakterien zuverlässig ab.


Zur Prävention sollten sich Wanderer nach Ausflügen stets auf Zecken absuchen. Helle Kleidung hilft, die Tiere zu erkennen. Sinnvoll sind auch Repellents, die auf Körper oder Kleidung aufgetragen werden. Haben sich die Tiere schon festgesaugt, sollte man sie mit einer spitzen Pinzette möglichst dicht an der Haut packen und heraushebeln.

In welchen Regionen welches Infektionsrisiko besteht – weiterführende Informationen im Internet unter www.zecken.de

( AP/AFP/DPA/OC )