Gesundheit

Magnetfelder helfen nach einem Schlaganfall

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Brigitte Röthlein

Foto: picture-alliance/ dpa / dpa

Magnetfelder, die durch den Schädelknochen ins Gehirn eindringen und dort elektrische Reaktionen auslösen, können viele Krankheiten positiv beeinflussen – vor allem nach einem Schlaganfall. Die sanfte Stimulation des Gehirns kann auch Patienten mit Parkinson, Depressionen und Demenz helfen.

Magnetfelder, die durch den Schädelknochen hindurch ins Gehirn eindringen und dort elektrische Reaktionen auslösen, können viele Krankheiten positiv beeinflussen. Dies berichteten Forscher auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für funktionelle Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung. Im Vordergrund steht die Behandlung von Schlaganfallpatienten.

Normalerweise spielen die beiden Hirnhälften des Menschen eng zusammen und halten ein chemisch-elektrisches Gleichgewicht aufrecht, indem sie ihre Aktivität gegenseitig hemmen. Kurz nach einem Schlaganfall ist jedoch häufig die gesunde Hirnhälfte überaktiv, weil der hemmende Einfluss der geschädigten Seite fehlt. Der Patient leidet dann unter Bewegungs- und Wahrnehmungsstörungen. Gereon Fink, Direktor der Klinik für Neurologie an der Universität Köln, berichtet, von neuesten Forschungsergebnissen zur "repetitiven transkraniellen Magnetstimulation" (rTMS). Bei dieser Therapie werden durch die wiederholte Induktion magnetische Felder durch die Schädeldecke hindurch generiert, wodurch sich "die überaktive Hälfte wieder auf ihr normales Arbeitsniveau einregulieren".

Dazu wird die Magnetfeldspule, die die Form einer Acht hat, einmal täglich auf den Kopf des Patienten aufgelegt und sendet 20 Minuten lang ein Wechselfeld ins Gehirn. Für den Patienten ist das völlig schmerzfrei, er erlebt lediglich vorübergehend einen leichten Kontrollverlust über die eigenen Bewegungen. Rund drei Wochen lang dauert diese Behandlung, um einen längerfristigen Erfolg zu erzielen, sagt Gereon Fink.

Bisher wurden magnetische Felder im Gehirn vor allem dazu verwendet, in sein Inneres hineinzuschauen. Das Kernspintomografie genannte Verfahren heißt auch NMR-Tomografie, nach der englischen Übersetzung Nuclear Magnetic Resonance; heute läuft es meist unter dem Namen Magnetresonanztomografie (MRT). Es hat den Vorteil, dass es ohne Röntgenstrahlen auskommt und für den Patienten nicht schädlich ist.

MRT-Untersuchungen am Gehirn dienten vor allem dazu, Tumore oder physische Veränderungen wie etwa bei der alzheimerschen Krankheit zu entdecken. Inzwischen wurde das Verfahren aber so verfeinert, dass man in der Lage ist, die Aktivität und das Zusammenspiel verschiedener Gehirnregionen detailliert im Bild zu zeigen. So lässt sich nun auch ermitteln, wo die Defekte nach einem Schlaganfall liegen, und man kann die Magnetspule bei der Behandlung entsprechend ausrichten.

Auch bei weiteren Krankheiten, die mit Änderungen der Erregbarkeit des Gehirns einhergehen, lassen sich Magnetfelder oder schwache elektrische Ströme anwenden. Dazu zählen Depressionen und andere psychiatrische Erkrankungen, Epilepsien, Migräne, Schmerz und Bewegungsstörungen, aber auch Demenz. Walter Paulus, Direktor der Klinischen Neurophysiologie an der Universität Göttingen, berichtet von positiven Erfahrungen bei der Behandlung Depressiver: "Bei diesen Patienten findet sich häufig eine Erregbarkeitsminderung des linken Stirnhirnbereichs, der durch längerfristige, tägliche Sitzungen mit rTMS zu einer deutlichen Besserung der Depression führt." Und das ganz ohne Medikamente.

Im Oktober 2008 wurde das Verfahren in den USA zugelassen. Das Potenzial der Methode sei hoch: "Die Abschaffung der Neurochirurgie ist das Ziel", sagt Paulus.