Tiere

Wie Ameisen der extremen Hitze trotzen

Insekten fühlen sich in der Wüste wohl. Lange Beine und ein paar Tricks lassen sie über 50 Grad Celsius ertragen.

Foto: picture-alliance/ dpa / dpa

35 Grad sind heiß, sehr, sehr heiß. Und 45, 50 oder 60 Grad? Ein Mensch erträgt das wohl nur im schattigen Pool. Wüstenameisen laufen aber erst bei großer Hitze zu Hochform auf. Die Silberameisen der Sahara, wissenschaftlich Cataglyphis bombycina genannt, schicken jeden Tag einen Trupp von Arbeitern in die Glut der tunesischen Sahara, der Futternachschub ins Nest bringen muss.

Sie sind Meister der Temperaturmessung und krabbeln erst aus ihren Löchern, wenn die Temperatur vier Millimeter über dem Boden 46 Grad Celsius beträgt. In dieser Höhe halten die extralangen Ameisenbeine nämlich den Körper des Tiers. Auch ihre silbrige Farbe hilft ihnen als Hitzeschild – die Wärmestrahlung wird von ihm reflektiert, ihr Körper bleibt länger kühl. Zudem sind während ihrer Hitzeflitzerei spezielle Gene aktiviert, die die Eiweiße ihres Körpers vorm Gerinnen schützen.

Trotzdem haben die Ameisen nur maximal 30 Minuten Zeit – dann erreicht ihr Körper mehr als 50 Grad Celsius, und das ist sogar für eine Wüstenameise zu viel. Um zwischendurch der sengenden Hitze, die der Sandboden abstrahlt, ein wenig zu entkommen, klettern die Insekten hin und wieder über einen Grashalm in kühlere Gefilde. Nur 20 bis 40 Prozent ihrer Zeit in der Sonne können sie effizient nach Nahrung suchen – in der übrigen Zeit machen sie Hitzepausen.

Dass die Ameisen nicht einfach bei Nacht oder in den kühlen Morgenstunden nach Nahrung suchen, hat einen trivialen Grund: Dann trauen sich auch Wüstenameisen heraus, die nur zu gerne Ameisen fressen. Denen wird es bei über 40 Grad Bodentemperatur zu heiß, und sie ziehen sich in ihre Felsritzen zurück. Die Ameisen müssen so die Balance zwischen Überhitzen und Gefressenwerden jeden Tag von Neuem finden.