Neurologie

Deutscher Forscher sieht Hirn als Quelle des Bösen

Der Bremer Wissenschaftler Gerhard Roth vertritt eine provokante These: Ob sich ein Mensch zum Gewalttäter entwickle, entscheide sich auch durch genetische Veranlagung, Eigenheiten der Hirnentwicklung und frühkindliche Erziehung. Die Erkenntnisse der Neurowissenschaft müsse zu einer Revision des Strafrechts führen.

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Das menschliche Gehirn ist nach Darstellung des Bremer Hirnforschers Gerhard Roth eine „Quelle des Bösen“. Ob ein Mensch zu Gewalt und Straftaten neige, hänge vor allem von der genetischen Veranlagung ab sowie von Eigenheiten der Hirnentwicklung und der Erziehung im frühen Kindesalter.


„Das Gehirn ist offen für alle Erfahrungen und bildet Netzwerke angehäufter Nervenzellen, die im Kampf gegeneinander eher moralische Motive befürworten oder nicht.“ Nach den Worten Roths müssen diese Erkenntnisse der Neurowissenschaft zu einer Revision des Strafrechts führen.

Verbrecher seien nicht mehr als individuell Schuldige, sondern als psychisch Schwerkranke zu behandeln. Der Neurobiologe äußerte sich bei einer Veranstaltung des Bistums und der Katholischen Hochschulgemeinde Osnabrück zum Dialog zwischen Wissenschaft und Religion.


Nach Ansicht des Neuromediziners Günter Rager ist die internationale Finanzkrise ein Beispiel dafür, dass der Mensch in seinem Handeln Freiheit habe und dafür Verantwortung trage.

Das Individuum sei in der Lage, „Gutes“ zu erkennen, erklärte der frühere Direktor des Instituts für Anatomie und spezielle Embryologie der Universität Fribourg/Schweiz. Als Voraussetzung dafür nannte er ein intaktes Gehirn. Seien bestimmte Hirnfunktionen nicht einwandfrei, könne es sein, „dass sittliches Handeln nicht mehr möglich ist“.