Partnerschaft

Schwieriges Weihnachtsfest für Scheidungskinder

Weihnachtsbaumschmücken mit Papa, Heiligabend bei Mama, am ersten Festtag wieder zu Papa, wo schon die Oma wartet. Zwischendurch Taschen packen, hin- und herfahren und Geschenke auswickeln. Weihnachten für Scheidungskinder. Zu oft kommt neben dem Christkind auch die Angst vor der Enttäuschung.

Foto: picture-alliance / chromorange

Weihnachten ist ein Fest der Familie. Was aber, wenn es die nicht gibt? Mit der Adventszeit kommt für Scheidungskinder die Angst vor der Enttäuschung. Um das zu vermeiden, sollten die entscheidenden Fragen schon lange vor dem Fest besprochen werden. „Kümmern Sie sich rechtzeitig darum“, rät Ingeborg Rakete-Dombek, Fachanwältin für Familienrecht aus Berlin. Das gelte vor allem, wenn Streit abzusehen ist. „Kurz vor Weihnachten bekommen Sie keine gerichtliche Entscheidung mehr.“ In der Rechtsprechung gilt der Grundsatz, dass Kinder den ersten Feiertag beim betreuenden Elternteil verbringen. Am zweiten Feiertag ist ein Besuchstermin beim Umgangsberechtigten üblich, erläutert der „Wegweiser für den Umgang nach Trennung und Scheidung“, der unter anderem vom Berliner Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) herausgegeben wurde.

Diese Feiertagsregelung habe sich in vielen Fällen jedoch als unpraktisch erwiesen, heißt es weiter. Oft sei es sinnvoll, dass Kinder die Doppelfeiertage im Wechsel ganz bei einem Elternteil verbringen. Die Eltern könnten das vereinbaren. Am besten treffen sie solche Absprachen schon bei der Trennung, sagt Regina Hirsch von der Beratung für Alleinerziehende beim Diakonischen Werk in Karlsruhe. Das schaffe für beide Seiten Klarheit und erleichtere die Planungen. Eine solche Absprache setzt voraus, dass die Eltern nicht völlig zerstritten sind.

Manche Eltern haben – trotz Trennung – ein gutes Verhältnis und möchten die Elternschaft gemeinsam tragen. „Die schaffen es zum Beispiel, zu Schulelternabenden gemeinsam zu gehen“, sagt Hannspeter Schmidt, Leiter der Katholischen Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen im Erzbistum Köln. Solche Eltern könnten an Weihnachten vielleicht auch ein paar Stunden gemeinsam mit den Kindern verbringen.

„Wenn neue Partner im Spiel sind, geht das aber meistens nicht mehr.“ Bevor die Eltern dann der Kinder zuliebe völlig verkrampft zusammensitzen, feiern sie Weihnachten besser getrennt. „Die Kinder bekommen die schlechte Stimmung ja mit“, sagt Hirsch. Leben die Eltern in einer Stadt, sind Wechsel der Kinder vom einen zum anderen relativ einfach zu organisieren. „Aber auch das würde ich erst Kindern im Grundschulalter zumuten“, sagt Schmidt. Geschwister sollten grundsätzlich nicht getrennt werden – auch wenn das eine scheinbar faire Lösung für die Eltern wäre.

Schwierig wird es bei größeren Distanzen: „An Weihnachten ein Kind allein in den Zug setzen, um zum Vater zu fahren, das kann ich nicht befürworten“, sagt Hirsch. Also müssen sich die Eltern einigen, wo das Kind die Feiertage verbringt. „Liegen die Eltern so im Clinch, dass sie nicht miteinander verhandeln können, müssen sie eine professionelle Beratung aufsuchen“, sagt Hirsch. Ältere Kinder können bei der Weihnachtsplanung mit eingebunden werden, etwa durch die Frage „Was magst du Weihnachten eigentlich machen?“, rät Schmidt. Ist die Situation sehr angespannt, lassen Eltern solche Fragen besser bleiben. „Die Kinder sollen die schwere Entscheidung treffen, können das aber gar nicht.“ Im Zweifelsfall äußerten sie sich so, wie der jeweilige Elternteil es haben möchte.

Ergebnis: zuviele Geschenke

Aber nicht nur das Wo, auch das Wie sorgt oft für Ärger. Bei der Frage, wie der Festtag gestaltet wird und welche Geschenke unter dem Weihnachtsbaum liegen, wollen sich Mütter und Väter laut Schmidt häufig als das jeweils bessere Elternteil profilieren. „Die Geschenke werden dann missbraucht, um das Kind mehr an sich zu binden.“ Natürlich ist es besser, wenn sich die Eltern vor Weihnachten über die Geschenke absprechen: Was wünscht sich das Kind, und was ist sinnvoll? Verstehen sie sich aber schlecht, wird der Vater genau das kaufen, was die Mutter nicht wollte und umgekehrt, sagt Regina Hirsch. Leidtragende sind die Kinder, die mit zu vielen Geschenken überhäuft werden und dann plötzlich zwei Feuerwehrautos bekommen. Manchmal passiert auch das Gegenteil. Dann sitzen die Kinder mit ihrer Mutter vor dem Weihnachtsbaum, und vom Vater gibt es weder ein Geschenk noch eine Karte.

Die Enttäuschung ist in solchen Fällen riesengroß. „Auch wenn man selbst sauer auf den anderen ist, sollte man ihn nicht schlechtmachen“, rät Schmidt. Ein Satz wie „Er denkt aber bestimmt an dich“ könne in diesem Moment Trost spenden. Kümmert sich der Vater aber dauerhaft nicht, hilft auch kein Schönreden. „Dann muss man das gemeinsam mit dem Kind aushalten“, sagt Schmidt.

Aber die Eltern sollten auch an sich denken. Verbringen die Kinder das Fest beim Ex, sollten sich die Betroffenen rechtzeitig ein Alternativprogramm überlegen, rät Regina Hirsch. Partner weg, Kinder weg – zu guter Letzt kann auch für die geschiedenen Eltern das Weihnachtsfest traurig enden. „Sitzen Sie bloß nicht allein zu Hause rum“, sagt Hirsch. Oft gebe es Freunde, in deren Haus an Weihnachten viele Leute zusammenkommen.

Die Diakonie hat die Broschüre „ Damit das Fest zum Fest wird – Feste feiern nach Trennung und Scheidung “ herausgegeben.