Umwelt

Je rauer das Klima, desto schöner singen die Vögel

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Foto: picture-alliance / OKAPIA KG, Ge / pa

Die sexuelle Selektion fördert Gesangestalente – zumindest im Tierreich: Eine US-amerikanische Untersuchung zeigt jetzt, dass die Lieder von Spottdrosseln umso virtuoser ausfallen, je harscher ihre Lebensbedingungen sind. Aus der Gesangskunst männlicher Drosseln ziehen Weibchen Rückschlüsse über die Wahl des richtigen Partners.

Ein raues und unbeständiges Klima spornt Singvögel zur Höchstleistungen an. Eine US-Studie an 29 Arten von Spottdrosseln in unterschiedlichen Siedlungsgebieten weltweit zeigt, dass die gesanglichen Fähigkeiten der Tiere mit den Wetterbedingungen merklich schwanken. Je unvorhersehbarer und ungünstiger die Witterung, desto mehr Mühe geben sich die Männchen, die Weibchen durch ihren Gesang für sich einzunehmen.


Das Zwitschern der männlichen Vögel dient grundsätzlich zwei Zwecken. Es soll einerseits Rivalen fernhalten, vor allem aber Weibchen anlocken. Diese ziehen aus den Melodien, die aus entweder selbst erfundenen oder nachgeahmten Fragmenten bestehen, vermutlich Rückschlüsse auf die Qualitäten des Sängers.

Dass Vögel, die in unwirtlichen Gegenden leben, sich virtuoser artikulieren, erstaunt Studienleiter Carlos Botero vom National Evolutionary Synthesis Center in North Carolina nicht. „Härtere Winter, trockenere Trockenzeiten oder kaum vorhersehbare Wetterbedingungen machen es für die Tiere schwerer, zu überleben und sich fortzupflanzen“, sagt er. Unter solchen Bedingungen müssen die Weibchen besonders wählerisch sein, denn ein mittelmäßiger Partner könnte das Überleben der Nachkommenschaft gefährden.

Daher sei es umso wichtiger, dass ein Männchen ein Weibchen mit seinen Liedern überzeuge, schreibt Botero im Fachblatt „Current Biology“. „Männchen, die kompliziertere Lieder singen, tragen tendenziell weniger Parasiten und haben Nachkommen mit höherer Überlebenschance“, sagt er.


Zudem sei guter Gesang ein Nachweis von Intelligenz, da die Vögel das Singen nicht von Geburt an beherrschen, sondern erst erlernen müssen. „Vögel, die besser singen, sagen damit zumindest indirekt: Hey, ich lerne gut“, sagte Botero.


Dass das Paarungsverhalten besondere Talente fördert, gilt – so glaubt Botero - nicht nur für Vögel, sondern auch für andere Tiere und sogar für den Menschen. Der Forscher schließt nicht aus, dass der evolutionäre Prozess der sexuellen Selektion auch Sprache, Kunst und Musik beflügelt hat. Die Studie biete, „eine einzigartige Gelegenheit, die Kräfte hinter der Evolution jener Eigenschaften zu verstehen, die für unsere eigene Spezies so wichtig sind“, sagt Botero.

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