Energie

Geothermie-Kraftwerk hat erste Heizperiode absolviert

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Foto: picture-alliance / united archives

Es soll ein unerschöpfliches Energiereservoir für die Zukunft sein, klimafreundlich und wetterunabhängig: In Unterhaching bei München steht gut vier Jahre nach der ersten Bohrung das bisher größte Geothermieheizkraftwerk in Deutschland vor seinem Abschluss. Die erste Heizperiode war schon mal erfolgreich.

Es soll ein unerschöpfliches Energiereservoir für die Zukunft sein, klimafreundlich und wetterunabhängig: In Unterhaching bei München steht gut vier Jahre nach der ersten Bohrung das bisher größte Geothermieheizkraftwerk in Deutschland vor seinem Abschluss. Die erste Heizsaison war laut Gemeinde bereits erfolgreich. Mehrere tausend Bürger heizten in diesem Winter erstmals mit der umweltfreundlichen Wärme aus der Tiefe. „Die Wärmeversorgung läuft problemlos rund um die Uhr“, erklärt Benjamin Richter von der Beratungsfirma Rödl & Partner, die für die wirtschaftliche Umsetzung verantwortlich ist. In den nächsten Wochen soll auch die Stromgewinnung starten. Im Frühsommer soll die Gesamtanlage offiziell mit einem Festakt eröffnet werden.

Das Kraftwerk soll künftig bis zu knapp 3,4 Megawatt elektrischer Leistung liefern. Das entspricht dem Verbrauch von 10.000 Haushalten. Erstmals in Deutschland kommt dabei die sogenannte Kalina-Technologie zum Einsatz, bei der ein Ammoniak-Wasser-Gemisch erwärmt wird. Dieses Gemisch produziert bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen Dampf, so dass eine höhere Energieausbeute möglich ist. „In dem Moment, in dem das läuft und funktioniert, wird das auch ein Exportschlager werden“, sagt Richter. Es ist nach Island die zweite Anlage dieser Art in Europa. Erdwärme gilt als wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer umweltfreundlichen Energiegewinnung. Vorteil: Die Energie kann anders als bei Solar- und Windenergie unabhängig von äußeren Umständen gewonnen werden.

Eisbrecherfunktion des Pilotprojekts

„Unterhaching ist ein Pilotprojekt, das sicherlich eine Art Eisbrecherfunktion gehabt hat“, sagt Werner Bußmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Geothermie in Geeste. Insgesamt gibt es in drei Regionen Deutschlands Thermalwasser: im norddeutschen Tiefland, im Oberrheingraben und im süddeutschen Molassebecken. Vor allem hier geht derzeit der Ausbau der Tiefengeothermie voran. Gebohrt wird nach Bußmanns Angaben derzeit in den oberbayerischen Orten Wolfratshausen, Erding, Sauerlach und Dürrnhaar sowie bei Kaufbeuren in Schwaben.

„Die Energie- und Wärmegewinnung aus Geothermie hat in Bayern das Potenzial, eine Erfolgsgeschichte zu werden“, glaubt Benjamin Richter. Allein für rund 90 Felder in Bayern sind den Angaben zufolge bisher Rechte vergeben worden, der Umfang der Investitionen beträgt mittelfristig mehr als sechs Milliarden Euro.

Eng gesteckte Claims

Allerdings sind die Claims für die künftigen Bohrungen nach dem wertvollen heißen Nass teilweise eng gesteckt. Nur drei Kilometer sind die Außenseiten des Gebiets in Unterhaching lang, innerhalb dessen die Gemeinde bohren darf. „Wenn die Unterhachinger ausbauen wollen, könnte es schwierig werden“, sagt Bußmann. Dass das warme Wasser versiegen könnte, befürchtet er nicht, da das Wasser zurückgepumpt wird. „Im Prinzip ist es eine unerschöpfliche Energiequelle.“ Allerdings könnten nach einigen Jahrzehnten neue Bohrungen nötig werden, wenn die Stelle um das Bohrloch ausgekühlt sei.

Im September 2004 war in Unterhaching bei der ersten Bohrung in einer Tiefe von 3350 Metern das erste heiße Wasser gefunden worden. Die Temperatur war mit 122 Grad höher und die Menge mit 150 Litern pro Sekunde größer als erwartet. Bürgermeister Erwin Knapek (SPD), der das ehrgeizige Projekt in seinen Ort geholt hatte, schlüpfte in die Badehose und ließ sich mit Bauhelm beim Bad in dem kostbaren Nass ablichten. Die zweite Bohrung in 3580 Metern Tiefe brachte sogar Wasser mit 133 Grad – weitaus genug für die Stromgewinnung, für die mindestens 100 Grad und 100 Liter Wasser pro Sekunde nötig sind.

Doch Fernwärme hat nicht zuletzt angesichts steigender Ölpreise Vorrang, außerdem ist die CO 2 -Einsparung höher. Die in diesem Winter in Unterhaching ins Fernwärmenetz eingespeiste Geothermie-Fernwärme beträgt laut Richter rund 25.000 Megawattstunden. Das entspricht rechnerisch rund 2,5 Millionen Liter Heizöl und einem CO 2 -Ausstoß von rund 7000 Tonnen. „Die Gemeinde Unterhaching leistet mit der Nutzung der Geothermie zur Wärmegewinnung einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz“, erklärt Knapek.

Derzeit liegt die Anschlussleistung bei 28 Megawatt. Ziel sind 70 Megawatt installierte Wärmeleistung, so viel wie kein anderes Erdwärmeheizkraftwerk in Deutschland. Gerlinde Kittl, die Geschäftsführerin der Geothermie Unterhaching: „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir diese Zielmarke erreichen werden.“

( dpa/cl )