Psychologie

Experten fordern mehr Gerechtigkeit für Männer

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"Wenn der Anteil früh verunsicherter Männer weiter steigt, werden unseren starken Frauen die passenden Partner ausgehen", prophezeien Wissenschaftler. Prekär sei vor allem der eklatante Mangel an männlichen Erziehern in Kindergärten und Schulen. Auf einem Männerkongress diskutieren Experten erstmals über den "gefährdeten" Mann.

Männer in Deutschland sterben fünf Jahre jünger als Frauen, begehen dreimal so häufig Selbstmord, und Jungen sind die eindeutig schlechteren Schüler. Vielfach fehlten den Söhnen in den Familien „emotional präsente Väter“ und in Kindergärten und Schulen verständnisvolle männliche Erzieher, kritisierte der Düsseldorfer Psychoanalytiker Prof. Matthias Franz.


„Es ist höchste Zeit, die kollektive Verleugnung dieser Problemzusammenhänge aufzubrechen“, forderte der Experte vom Institut für Psychosomatische Medizin der Universität Düsseldorf. Rund 350 Wissenschaftler diskutieren hier am 19. und 20. Februar über den „gefährdeten“ Mann.


Bei dem ersten Männerkongresses dieser Art gehe es selbstverständlich nicht um die Wiederherstellung altbackener Rollenbilder von Mann und Frau, betonte Franz. Vielmehr stünde die Ermittlung der Fakten für künftige Konzepte in Familien- und Gesundheitspolitik sowie für die Früherziehung im Mittelpunkt.


Dabei sollen Handlungsmöglichkeiten sowohl für Männer selbst als auch für die Politik entworfen werden. „Wir streben größere Geschlechter-Gerechtigkeit für Männer an,“ sagte Franz.


Der Mediziner forderte die Politik auf, sich entschiedener für Jungen und Männer einzusetzen. Der Kongress solle sich nicht „gegen die Interessen der Frauen nach Gleichberechtigung“ richten, sondern auf die vernachlässigten Bedürfnisse der Männer aufmerksam machen.


„Frauen leiden, Männer sterben“, sagte Psychoanalytiker vor dem Hintergrund der Statistiken: Es mangele sowohl bei jedem Mann als auch in der Gesellschaft völlig am Problembewusstsein über die spezifischen Gesundheitsgefährdungen der Männer. Kampagnen, die vergleichbar mit der Brustkrebs-Vorsorge für Frauen seien, existierten nicht.


Während für Mädchen die Mutter als „primäre Bindungsperson“ mit ihrem identischen sexuellen Rollenvorbild Urvertrauen und Sicherheit bedeute, sei die frühkindliche männliche Identität „komplizierter und störanfälliger“, erklärte der Analytiker. Es fehlten im Erziehungssystem die Männer, die den Jungen einen „männlichen Weg“ in die Welt draußen und zu ihren eigenen Gefühlen vorlebten.


Im Jahr 2008 schafften 57 Prozent der Mädchen, aber nur 43 Prozent der Jungen das Abitur, sagte Franz. Bei Schulabbrechern liege das männliche Geschlecht aber mit 60 Prozent und unter den Sonderschülern mit 64 Prozent klar vorn.


Der Psychoanalytiker: „Die Bildungskatastrophe heute ist männlich.“ Frühe Verhaltensauffälligkeiten würden in der Regel eher mit Medikamenten chemisch bekämpft, als den „häufig vaterlosen, vorbildlosen, sehr einsamen Jungen“ mehr Zuwendung zukommen zu lassen. Bei Jungen mit ausländischem Familienhintergrund „fokussiere“ sich die Problemlage oft noch zusätzlich.


Weiterführend Informationen im Internet: www.maennerkongress2010.de

( dpa/EPD/OC )