Klimaschutz

Riesensegel soll Frachter antreiben

Segelschiffe kommen heutzutage fast nur als Freizeityachten oder als Windjammer-Neuauflagen zum Einsatz. Das könnte sich bald ändern. In Berlin diskutieren Experten über neue Strategien für Klimaschutz und Klimawandel.

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Konkrete Projekte im Kampf gegen den Klimawandel stehen auf der Tagesordnung der Konferenz „Klimazwei“ des Bundesforschungsministeriums. Anders als bei der Klimaforschung im engeren Sinn („Klimaeins“) geht es hier einerseits um die Erforschung und Umsetzung innovativer Ideen zur Verringerung von Treibhausgasemissionen. Zweiter Schwerpunkt sind Strategien und Techniken zur Anpassung an den Klimawandel, da steigende Temperaturen und deren Folgen nicht mehr vermeidbar sind.

Das Forschungsschiff „Beaufort“ testet derzeit moderne Windantriebssysteme. Anders als bei traditionellen Drei- oder Viermastern dient bei dem System SkySail ein Großsegel in der Luft weit über dem Schiff zum Antrieb oder zu dessen Unterstützung. Sein Aussehen erinnert dabei eher an einen überdimensionierten Lenkdrachen oder einen Gleitschirmflieger.

Nachrüstung vorhandener Schiffe ist möglich

Forscher der Fachhochschule Oldenburg und des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung aus Emden gehen davon aus, dass durch die konsequente Nutzung von Windenergie in der Schifffahrt weltweit jährlich rund 150 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden könnten.

Strategien zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels gehören zu den Themen, die lange keinen besonders guten Ruf hatten. Je sichtbarer aber die tatsächlich eintretenden Klimafolgen werden, umso mehr rückt die konkrete Schadensbegrenzung in den Vordergrund. Der deutsche Weizen gehört beispielsweise zu den Pflanzen, die durch immer heißere und trockene Sommer Probleme bekommen. Missernten sind die Folge. Forscher der TU München arbeiten daher an Züchtungen, um Winterweizen früher als bisher zum Blühen zu bringen. Er könnte dann geerntet werden, noch bevor die große Hitze einsetzt.

Bakterien, die Methan fressen - Sonnenschutz für Häuser

Um mehr Klimaschutz auf Mülldeponien geht es in einem anderen Projekt. Biofilter mit Mikroorganismen, die Methan zersetzen, sollen die Emissionen dieses Treibhausgases verringern. Andere Forscher suchen nach Anpassungsstrategien für die Tourismuswirtschaft in deutschen Mittelgebirgen, wo immer häufiger der Schnee ausbleibt, oder erforschen nachhaltiges Grundwassermanagement für Extremwetterlagen. Bauexperten versuchen, Gebäude durch automatisierte Lüftungs- und Sonnenschutzmechanismen besser für Hitzewellen zu rüsten, ohne zugleich durch aufwendige Klimaanlagen den Energieverbrauch zu erhöhen. Flugrouten sollen wetter- und temperaturabhängig so berechnet werden, dass die besonders klimaschädlichen Kondensstreifen vermieden oder reduziert werden.