Psychologie

Gähnen kühlt das Gehirn und macht munter

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Manche Menschen gähnen Dutzende Male am Tage. Bekannt ist, dass bereits Föten im Mutterleib gähnen. Über Ursache und Funktion wird seit langem geforscht. Bislang galt Gähnen als Anzeichen von Müdigkeit. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch: Gähnen macht munter. Warum Gähnen aber ansteckend ist, bleibt wohl ein ewiges Rätsel.

Gähnen wird im Allgemeinen als ein Anzeichen von Müdigkeit interpretiert. Wissenschaftler der State University of New York at Albany haben jedoch herausgefunden, dass Gähnen nicht müde macht, sondern ganz im Gegenteil die Aufmerksamkeit steigert. Bei der Studie ging es den Forschern aber nicht darum, die These zu widerlegen, dass Sauerstoffmangel im Blut das Gähnen hervorruft. Diese Vermutung hat der US-Amerikaner Robert Provine bereits vor drei Jahrzehnten entkräftet. Probanden, die reinen Sauerstoff oder Luft zum Atmen erhielten, gähnten nicht signifikant anders.

Die neuen Erkenntnisse zeigen vielmehr, dass Gähnen eine Wärmeaustausch-Funktion besitzt. Durch das Einatmen von kühler Luft beim Gähnen werde der Temperaturhaushalt im Gehirn reguliert und somit die Bedingungen für optimale Leistungsfähigkeit geschaffen, berichten die Forscher in der neuesten Ausgabe von "Evolutionary Psychology".

"Gähnen ist nicht wie man meinen könnte ein Zeichen von Langeweile oder Schlafbedürfnis. Wir gehen davon aus, dass durch die Temperatur regulierende Funktion des Gähnvorgangs die Aufmerksamkeitsfähigkeit sogar gesteigert wird", erläutern die Andrew und Gordon Gallup die Studienergebnisse. Ihre Hypothese stützen die Forscher mit einer Reihe von Tests, bei denen Temperatureffekte berücksichtigt wurden. So mussten Probanden, die gezwungen waren, ausschließlich durch die Nase zu atmen viel weniger oft gähnen als Probanden, die durch den Mund atmeten. Die Forscher erklären sich diesen Umstand damit, dass beim Atmen durch die Nase das Blut im Inneren des Organs gut abkühlt und anschließend durch das Gehirn fließt. Der tiefe Atemvorgang beim Gähnen habe einen ähnlich kühlenden Effekt und sei bei diesen Studienteilnehmern nicht mehr notwendig gewesen.

In einem weiteren Versuch wurden die Testpersonen angehalten, ein Wärme- bzw. Kühlpäckchen an ihre Stirn zu halten. Kaum ein Proband, der die kalte Auflage an der Stirn spürte, musste innerhalb des Versuchszeitraums gähnen, während andere Probanden ein "normales" Gähnverhalten zeigten. Ein ähnliches Ergebnis konnte bei der Veränderung der Zimmertemperatur erzielt werden. Das Fazit der Wissenschaftler: Bei Kälte wird das Gähnen eingestellt, weil es wärmetechnisch für den Körper keinen Sinn macht.

Allerdings ist die Frage, warum Gähnen ansteckend wirkt, damit immer noch nicht geklärt. Seit Jahren beschäftigen sich Wissenschaftler mit der „Ansteckung“ beim Gähnen. Bekannt ist, dass menschliches Gruppenverhalten Gähnen auslösen kann.