Forschung

Abwarten ist bei manchen Prostatatumoren sinnvoll

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Wenn der Arzt einen Tumor der Prostata feststellt, steht der Patient vor der quälenden Entscheidung über das weitere Vorgehen: Ist eine Operation angebracht, oder soll man abwarten, wie sich der Tumor entwickelt? Eine Studie zeigt, dass die zweite Möglichkeit durchaus sinnvoll sein kann.

Für Senioren sowie Männer mit einem wenig aggressiven Tumor kann beobachtendes Abwarten eine gute Option sein, wie eine Langzeitstudie zeigt. Demnach liegt bei diesen Patienten die Sterblichkeit kaum höher als bei sofortiger Behandlung. Eine zweite Studie zeigt, dass die Einführung des PSA-Tests im Jahr 1987 in den USA zu einem massiven Anstieg der Prostatakrebs-Fälle um rund 1,3 Millionen geführt hat.

Seit Beginn der Früherkennung anhand des prostata-spezifischen Antigens (PSA) werden Tumore der Vorsteherdrüse sehr oft schon im Frühstadium entdeckt. Da diese Karzinome oft nur extrem langsam wachsen, stehen viele Männer vor der Frage, ob sie sich gleich einer Behandlung unterziehen sollen oder zunächst die Entwicklung des Tumors beobachten.


Mediziner der Universität Harvard verglichen die Geschichte von mehr als 3.300 Männern, bei denen ein kleines, als wenig aggressiv eingestuftes Karzinom gefunden wurde. Nur etwa jeder zehnte Patient zögerte mindestens ein Jahr damit, sich einer Therapie zu unterziehen. Die Hälfte dieser 342 Männer hatte sich auch zehn bis 15 Jahre später nicht behandeln lassen.

Bei beobachtendem Abwarten lag die Sterberate im Zeitraum von durchschnittlich acht Jahren bei nur zwei Prozent. Bei den sofort therapierten Männern lag die Mortalität bei einem Prozent. Dieser Unterschied sei statistisch nicht bedeutsam, schreiben die Mediziner im „Journal of Clinical Oncology“. „Diese Resultate zeigten, dass es Männern, bei denen ein Tumor mit geringem Risiko festgestellt wurde und die die Behandlung hinauszögerten, noch nach durchschnittlich acht Jahren - und manchmal nach bis zu 20 Jahren - gut ging“, sagt Studienleiter Martin Sanda.


Unterdessen beleuchtet eine andere Studie erstmals die Folgen des 1987 eingeführten PSA-Tests auf die Zahl der Diagnosen. Demnach führte die Früherkennung seitdem allein in den USA zu 1,3 Millionen zusätzlichen Krebspatienten, von denen sich mehr als eine Million Männer auch behandeln ließen. Die meisten von ihnen seien unnötigerweise der Belastung von Diagnostik, Behandlung und etwaigen Komplikationen ausgesetzt worden, schreiben die Forscher des Dartmouth Institute im „Journal of the National Cancer Institute“.


Das betrifft insbesondere junge Männer: Der Anteil der Diagnosen stieg in der Altersgruppe von 50 bis 59 Jahren um das Dreifache, bei jüngeren Männern sogar um mehr als das Siebenfache. Otis Brawley von der Amerikanischen Krebsgesellschaft führt die Überdiagnosen auf die unkritische Propagierung des Tests zurück. Es habe nur wenige Hinweise darauf gegeben, dass die Früherkennung tatsächlich Leben gerettet habe.

( AP/cmp )