Tiere

Kannibalismus hat einen praktischen Hintergrund

Kannibalismus dient der elterlichen Fürsorge: Mit einer Simulation am Computer fanden Forscher heraus, dass Tiere bei einer hohen Geburtenrate nicht alle Kinder versorgen können. So werden einige gefressen, um mehr Energie für die anderen Nachkommen aufbringen zu können.

Foto: PA

Es wirkt wie eine sinnlose Grausamkeit der Natur, wenn Tiere ihren eigenen Nachwuchs verspeisen. Liebevolle Fürsorge sieht anders aus. Doch aus dem Blickwinkel der Evolution betrachtet, hat elterlicher Kannibalismus offenbar seine Daseinsberechtigung: Ein britisch-amerikanisches Forscherteam glaubt, dass Kannibalismus und Fürsorge für den Nachwuchs gemeinsam entstanden sein könnten.

Die Forscher um Michael Bonsall von der Universität in Oxford hatten in einer Computersimulation eine fiktive, eierlegende Tierart an den Start geschickt. Zu Beginn gab es in der Simulation weder fürsorgliche noch kinderfressende Tiere. Dann führten die Forscher „Mutanten“ in die Population ein, die sich entweder um den Nachwuchs kümmerten oder ihn auffraßen – oder beides. Wie sie im Fachblatt „The American Naturalist“ schreiben, entwickelten sich Kannibalismus und Fürsorge in einer Co-Evolutiuon.

Bonsall erklärt die Ergebnisse so: „Wenn man zu viele Babys produziert, kann man sie nicht alle versorgen. Also sterben sie entweder alle, oder man frisst ein paar von ihnen auf und kann dafür wenigstens einige Nachkommen durchbringen.“ Mit dieser Taktik tanken die Eltern auch gleich mehr Energie, um den restlichen Nachwuchs zu versorgen. Manchmal, erklärt Bonsall, verspeisten die simulierten Tiere einfach die schwächsten Nachkommen, um den anderen bessere Überlebenschancen zu verschaffen. „In der Natur gibt es viele Beispiele für diese Strategie.“