Tierschützer in Not

Nordbrandenburg hat einen Problem-Wolf

Ein Wolf bringt Tierschützer in Nordbrandenburg und Südmecklenburg in Not: Nach fünf Attacken mit insgesamt 70 toten Schafen und Hirschen sprechen Tierhalter von einem "Problem-Wolf".

Die Angriffe eines Wolfs auf Tiergehege eine Schafherde im Müritzkreis hat bei Tierhaltern und Bevölkerung für große Beunruhigung gesorgt. Nach fünf Wolfsattacken in Nordbrandenburg und Südmecklenburg haben nun Naturschützer die Tierhalter aufgefordert, ihre Gehege stärker zu sichern. "Wir müssen das dem Wolf abgewöhnen", sagte Steffen Butzek vom Landesumwelt Brandenburgs auf einem überfüllten Gesprächsforum in Wittstock.

Die Tierhalter forderten dagegen, das Tier als "Problem-Wolf" einzustufen und einzufangen. Auch Landwirte äußerten Angst um ihre Rinder, Pferde und Schafe. Innerhalb von sieben Monaten wurden in der Region knapp 70 Damhirsche, Rentiere und Schafe in Gehegen getötet, zuletzt eine Schafherde trotz Elektrozaun in Kieve.

Wichtig sei nun, zu klären, wie der Wolf sich Zutritt zu den Schafen verschaffen konnte, sagte der Wolfsexperte des Naturschutzbunds Deutschland, Markus Bathen. "Die Tiere waren durch einen Zaun geschützt, der muss nun überprüft werden", forderte er.

In Sachsen habe es vor einiger Zeit einen ähnlichen Fall mit 33 toten Schafen gegeben. Doch seit die Tierhalter dort informiert worden seien und die vom Land auch geförderten Zäune errichtet hätten, gebe es praktisch keine Schäden mehr durch Wölfe.

Die hohe Zahl der getöteten Schafe habe darüber hinaus nichts mit einem "Blutrausch" des Tieres zu tun, wie viele Menschen befürchteten. Der Wolf jage ökonomisch und nutze die Gelegenheit, einen Vorrat aus den nicht fliehenden Tieren anzulegen, erklärte Bathen.

Auch der Mensch brauche sich nicht vor dem Tier zu fürchten, erläuterte Bathen weiter. "Der Mensch ist für den Wolf nur ein weiteres Raubtier, seine Beute läuft auf vier Beinen", betonte er. Zudem seien die Tiere sehr scheu und zeigten sich nur selten.

Nach Ansicht des Experten ist der Wolf, der sein Revier schon seit längerem in der Region der Kyritz-Ruppiner-Heide in Brandenburg hat, definitiv kein Tier mit problematischem Verhalten. Wichtig sei aber, zu vermeiden, dass bei dem Wolf ein Lerneffekt einsetze und er häufiger nach leichter Beute in Gehegen suche.

Unterdessen hat sich der Ex-Filmstar Brigitte Bardot sich von St. Tropez aus am Streit um die Wolfsjagd in Schweden beteiligt. Wie ein Regierungssprecher in Stockholm bestätigte, hat Umweltminister Andreas Carlgren einen bitterbösen Brief der 76-jährigen Französin bekommen. "Lasst diese armen Tiere in Ruhe, hört mit der Jagd auf und lasst den kleinen Wolfsstamm ein bisschen stabiler werden", hieß es in dem Brief nach Medienangaben.

In Mittelschweden sind seit Mitte Januar 20 der insgesamt 200 im Lande lebenden Wölfe zum Abschuss freigegeben. Unter Beteiligung von 7000 Freizeitjägern sind inzwischen 19 Tiere erlegt.

In Schweden selbst ist die Freigabe der Jagd ebenfalls heftig umstritten. Carlgren verteidigte sie vor dem Reichstag damit, dass die streng begrenzte Jagd helfen könne, den Anteil der Tiere einzudämmen, die durch Inzucht genetische Schäden aufwiesen. Außerdem würde die Jagd zur "besseren Akzeptanz der Wölfe in der Bevölkerung beitragen".

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