Energie

Nobelpreisträger warnt vor Einsatz von Biosprit

Hartmut Michel, Nobelpreisträger für Chemie, bezeichnet den Einsatz von Biosprit als „extrem negativ": Die in der EU bestehende Pflicht zur Beimischung in herkömmliche Kraftstoffe sollte wegen ihrer verheerenden Auswirkungen auf die Regenwälder sofort abgeschafft werden.

Foto: re_re_ik_ax / EFE

Der Die bestehende Pflicht zur Beimischung von Biosprit in herkömmliche Kraftstoffe sei unter Umweltgesichtspunkten „extrem negativ“ und rechne sich überhaupt nicht, sagte Chemie-Nobelpreisträger Hartmut Michel der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Vor allem wegen der „verheerenden Auswirkungen“ auf die Regenwälder sollte diese Beimischungspflicht sofort abgeschafft werden.

Die Herstellungskosten von Biosprit in Europa seien mit denen in der Dritten Welt nicht vergleichbar, sagte Michel der Zeitung weiter. Deshalb sei die EU gezwungen, etwa Palmöl aus Indonesien einzuführen. Gerade die Palmölproduktion dort führe aber dazu, dass Regenwälder abgeholzt oder niedergebrannt würden. Dann würden dort Ölpalmplantagen angelegt, und das Palmöl werde in Biodiesel umgewandelt. Bei der Brandrodung werde soviel Kohlendioxid freigesetzt, dass es mehr als hundert Jahre brauche, um dieses Kohlendioxid wieder zu binden. Das gleiche gelte für Importe von Biodiesel auf Basis von Sojabohnen aus Brasilien.

Die Bundesregierung hat dieses Problem erkannt: Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) plant ein Zertifizierungssystem für Palmöl-Anlagen. Damit solle vermieden werden, dass ganze Landstriche in Entwicklungsländern abgeholzt werden, um den Rohstoff für Biogas-Anlagen zu liefern, hatte er am Donnerstag erklärt.

Michel nannte die Unterstützung der EU und der Bundesregierung für den Anbau von Pflanzen zur Herstellung von Biosprit aus ökologischer Sicht völlig sinnlos. Die Subventionen dafür führten lediglich zu Einkommenserhöhungen in der Landwirtschaft, und dies sei „der Hauptgrund, warum das passiert“, sagte der Wissenschaftler der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Als Alternative schlug Michel vor, zum Heizen Holz zu verwenden, etwa von der schnell wachsenden Pappel, und mit dem so eingesparten Erdöl oder Erdgas Autos zu betreiben.