Balz

Warum sexuelle Signale verblassen

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Foto: picture-alliance/ obs / pa/WDR

Was dem Pfau sein Rad aus Schwanzfedern, das ist dem jungen Erwachsenen sein Auto: ein Signal an das weibliche Geschlecht. Das Prinzip ist in der Tierwelt verbreitet. Der Blaufußtölpel zum Beispiel hat – wie der Name sagt – strahleblaue Füße. Die sind blauer, je enthaltsamer er lebt – und locken die Weibchen.

Was dem Pfau sein Rad aus Schwanzfedern, das ist dem jungen erwachsenen Menschen sein Auto: Ein Signal an das weibliche Geschlecht, dass ihm der ideale Partner gegenübersteht. Jeder versucht, so gut wie möglich zu imponieren; das Prinzip ist in der Tierwelt nahezu universell verbreitet. Die eingesetzten Mittel reichen von imponierender Körpergröße über Prachtfedern bis zu Geweihen bei den Hirschen. Beim Blaufußtölpel findet im wörtlichen Sinne eine Abstimmung mit den Füßen statt. Der deutsche Name sagt es bereits, der etwa gänsegroße Meeresvogel hat blaue Füße – leuchtend blau.

Darauf fahren die weiblichen Artgenossen ab, je kräftiger die Färbung desto besser eignet sich der Bräutigam als fürsorglicher Partner und Vater. Aber die Sache hat einen Haken. Mit steigendem Alter und zunehmendem Paarungserfolg verblasst das leuchtende Blau der Füße. Es wird zu einem matten Graublau, so wie die dunkle Haarpracht des Playboys mit der Zeit distinguiertem Grau weicht oder ganz ausfällt. Zumindest der Blaufußtölpel aber kann dagegen etwas tun. Er muss nur einmal eine Paarungssaison enthaltsam leben, dann leuchten seine Füße im folgenden Jahr wieder verführerisch blau.

Diese Beobachtung machten Alberto Velando und Mitarbeiter von der Universität im spanischen Vigo an mehr als 100 Tölpeln an der mexikanischen Pazifikküste. In den „Biology Letters“ berichten die Forscher, dass das Verblassen der Füße zum einen eine Alterserscheinung ist. Aber die Färbung geht auch zurück, wenn ein Männchen mehrere Jahre hintereinander Nachwuchs gezeugt und großgezogen hat.

Tiere verfügen nur über begrenzte Ressourcen, aus denen sie Energie ziehen können. Und diese Energie wiederum können sie in ihre Fortpflanzung investieren oder in den Aufbau ihres eigenen Körpers – wobei das eine immer zulasten des anderen geht, schreiben die Autoren: „Begrenzungen der körperlichen Leistungsfähigkeit im Alter, zum Beispiel bei der Ausprägung sexueller Signale, sind eine Folge der Aufwands, den die Fortpflanzung erfordert.“

Sexuelle Zurückhaltung während einer Paarungssaison reicht aber aus, genügend Kraft für eine erfolgreiche Balz in der nächsten Saison zu sammeln. Und die ist aufwendig. Auffällig betont setzt er einen seiner blauen Füße vor den anderen und stolziert unermüdlich vor seiner Auserwählten auf und ab. Droht ihr Interesse zu erlahmen, macht er mit kleinen Geschenken und Flügelschlagen wieder auf sich aufmerksam. Nach einem Flug streckt er bei der Landung die blauen Füße demonstrativ nach vorn.

All das und die folgende Jungenaufzucht kosten Kraft. Das ist nicht nur bei Blaufußtölpeln so, sondern gilt allgemein. An verschiedenen Tieren konnten Forscher zeigen, dass Fortpflanzung zulasten der Lebenserwartung geht: Wer Nachwuchs zeugt, verkürzt oft das eigene Leben. Häufig ist einem gealterten Playboy sein bewegter Lebenswandel ins Gesicht geschrieben.