Medizin

Autistische Babys spielen anders

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Meist sind Kinder betroffen: Im der Regel wird Autismus erst bei Dreijährigen festgestellt. US-Forscher haben jetzt neue Anhaltspunkte gefunden, die schon bei Kindern unter zwei Jahren auf Autismus hindeuten. Damit könnte den kleinen Patienten schon früher geholfen und der Krankheitsverlauf beeinflusst werden.

An Autismus erkrankte Kinder spielen im Babyalter anders. So drücken und drehen sie ihr Spielzeug häufiger als andere Kinder, berichten US-Wissenschaftler im Fachmagazin „Autism“. Ihre Ergebnisse könnten Ärzten und Eltern helfen, autistische Symptome bei Kindern früher zu erkennen und zu behandeln.

Kleinkinder, bei denen sich die Krankheit entwickelt, starren auffällig auf Objekte oder schauen sie seitlich aus dem Augenwinkel an, wie Sally Ozonoff von der Universität von California Davies und ihre Kollegen herausgefunden haben. „Es ist dringend nötig, Methoden zu entwickeln, mit denen auf Autismus hindeutende Signale früher, möglichst schon in den ersten beiden Lebensjahren, erfasst werden können“, sagt die Wissenschaftlerin.

Die Amerikanische Akademie für Pädiatrie befürwortet, dass alle Kinder auf Autismus untersucht werden, bevor sie zwei Jahre alt sind. Dabei schauen die meisten Kinderärzte nach den klassischen Symptomen im Sozialverhalten und bei der Kommunikation.

„Die Tatsache, dass der ungewöhnliche Gebrauch von Spielzeug schon früh zu beobachten ist, zeigt, dass dieses Verhalten leicht auf eine Eltern-Checkliste aufgenommen werden und in die Bewertung des Kinderarztes einfließen könnte“, sagt Ozonoff. Je früher man Kinder gegen Autismus behandeln würde, umso mehr könnte man ihre Zukunft beeinflussen.

Ozonoff und ihre Kollegen untersuchten 66 einjährige Kleinkinder, bei denen die Wissenschaftler meist wegen ihrer erkrankten Geschwister von mit hohem Autismus-Risiko ausgegangen waren. Bei neun Kindern wurde schließlich Autismus diagnostiziert. Sieben Kinder verbrachten wesentlich mehr Zeit mit dem Drücken, Drehen und seitlichen Beobachten von Objekten als andere Kinder.

Die Ursache von Autismus ist nicht bekannt. Charakteristisch für die Erkrankung sind verminderte soziale Interaktions- und Kommunikationsfähigkeit. Die Symptome können von leichten Verhaltensproblemen bis hin zu tiefgreifenden Verhaltensstörungen und geistiger Behinderung reichen.

In Amerika sind laut Schätzung des Zentrums für Krankheitskontrolle und –vorsorge eines von 150 Kindern von Autismus und ähnliche Krankheiten wie das Asperger Syndrom betroffen. Fachleute vermuten, dass eine Kombination von genetischen und frühen Verhaltensfaktoren - eventuell sogar schon vor der Geburt – für die Krankheit verantwortlich sind, die meist erst im Alter von drei Jahren entdeckt wird. „Mehr als ein Drittel der Eltern bemerken erste Anzeichen jedoch schon vor dem ersten Geburtstag ihrer Kinder“, so Sally Ozonoff.

( Reuters/mh )