Wahrnehmung

Nasenlöcher konkurrieren beim Riechen

Rolf H. Latusseck

Foto: picture-alliance / photoshot / pa

Das räumliche Riechen ist dem Menschen abhanden gekommen. Das dachten Wissenschaftler zumindest bisher. Jetzt zeigt sich aber, dass wir durch das rechte und das linke Nasenloch keinesfalls immer gleich gut riechen können. Ein Duft riecht für uns also nicht zu jeder Zeit gleich gut.

Als „binarale Konkurrenz“ bezeichnet Denise Chen ein neu entdecktes Phänomen unseres Geruchssinns. Werden die tief in der Nasenhöhle sitzenden Geruchsrezeptoren gleichzeitig, aber mit verschiedenen Gerüchen durch das linke und rechte Nasenloch gereizt, dann nimmt das Gehirn jeden Duft für eine gewisse Zeit allein wahr, der zweite Eindruck wird unterdrückt. Die Entdeckung widerspricht der plausiblen Vermutung, dass auch ein Duftgemisch als Eindruck wahrgenommen werden könnte.

In der Zeitschrift „Current Biology“ beschreibt die Forscherin der Rice University im texanischen Houston, wie sie zwölf Versuchspersonen Rosenduft und den eher künstlichen Geruch, den manche Filzstifte verströmen, in die Nase sprühte. Da unser Geruchssinn sehr anpassungsfähig ist und permanente Gerüche schnell unterdrückt, dauerte ein einzelner Test nur wenige Sekunden, nach einer halben Minute erfolgte der nächste Test. Dabei empfanden die Probanden immer nur einen der beiden Duftstoffe, manchmal mehrmals hintereinander denselben, manchmal alternativ den einen und den anderen.

Seit Langem weiß man, dass der Mensch im Wechsel von einer bis fünf Stunden mal überwiegend durch das rechte, dann durch das linke Nasenloch atmet. Die „binarale Konkurrenz“ scheint ein davon unabhängiges Phänomen zu sein. Sie wechselt in kürzeren Abständen, obwohl der Versuchsverlauf eine genaue zeitliche Charakterisierung nicht zuließ.

( rhl/ph )