Tierwelt

Menschliche Muttermilch rettet Affenbabys das Leben

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Foto: DPA

Muttermilch für Äffchen - der Tierpark Jaderberg bat in einer Kinderklinik um eine ungewöhnliche Spende. Nur mit der Milch junger Menschenmütter überlebten zwei Affenbabys - das Siamang-Mädchen Medan und Kapuzineraffe Cooper. Beide sorgen nun für reichlich Wirbel.

Die kleine Medan saugt zufrieden an ihrem Daumen und kuschelt sich ganz eng an ihre Ersatzmama Nicole Onnen. Mit großen Augen beobachtet sie den Wirbel um sie herum. Das quirlige Affenbaby mit dem dichten schwarzen Fell, das im Tierpark in Jaderberg (Landkreis Wesermarsch) mit der Hand aufgezogen wird, wird in wenigen Tagen ein halbes Jahr alt.

Kurz nach ihrer Geburt war das winzige Siamangmädchen dem Hungertod nahe. Ihre Affenmama konnte ihr keine Milch geben. Das haben kurz entschlossen zwei Frauen aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen übernommen. Sie stellten ihre Muttermilch dem tierischen Nachwuchs zur Verfügung und retten ihm damit das Leben. Eine der beiden Spenderinnen ist die 34 Jahre alten Kathrin Pörtner. Ihr Sohn Jan ist fast vier Monate zu früh im Kinderkrankenhaus in Kreyenbrück bei Oldenburg auf die Welt gekommen. Im Brutkasten mit künstlicher Nahrung versorgt, brauchte der Winzling die Milch seiner Mutter noch nicht. Abpumpen musste Kathrin Pörtner sie aber dennoch. Im Krankenhaus las sie, dass sie diese Milch dem Zoo in Jaderberg zur Verfügung stellen kann. „Da war ich natürlich sofort dabei. Die Muttermilch ist schließlich ein hochwertiges Lebensmittel. Sie sollte nicht einfach weggekippt werden“, sagt die dreifache Mutter aus der Nähe von Herford. Diese Kooperation zwischen dem Krankenhaus und dem niedersächsischen Zoo kommt mittlerweile dem dritten Affenbaby zu Gute.

In einer kleinen Umhängetasche trägt die Tierpflegerin Nicole Onnen nicht nur Medan, sondern auch das Kapuzineräffchen Cooper eng am Körper. 24 Stunden am Tag ist die 28-Jährige für die beiden Menschenaffen da. Cooper ist noch keinen Monat alt. Bislang schreit oder schläft das Affenkind, das sich tief in eine pinkfarbene Felldecke vergräbt, nur.

Medan hingegen übt sich schon fleißig im Klettern – am liebsten auf ihrem Kletterspielplatz im Tierpark und ihm eigenen Kinder-Reisebett in Nicole Onnens Wohnung. Vollgestopft mit den unterschiedlichsten Spielsachen kann der Wirbelwind in dem Gitterbett auch früh am Morgen schon seinem Bewegungsdrang folgen.

Trotz engstem Menschenkontakt ist es immer wieder gelungen, die Tiere wieder in ihre natürliche Umgebung und Gruppen von Artgenossen zu integrieren. „Es ist wichtig, das Verhalten, die Vorlieben und den Lebenswandel der Tiere gut zu kennen. Dieses Wissen muss während der Handaufzucht an den Nachwuchs weitergegeben werden“, sagt Zoodirektor Dieter Minnemann.

Die junge Tierpflegerin zählt die Siamangaffen und die Vögel des Parks zu ihrem Revier und war daher wie geschaffen für diese Aufgabe. „Die beiden kleinen Affen bestimmen für fast ein Jahr mein Leben. Da macht man auch gern Abstriche im Privatleben“, sagt Nicole Onnen. Ihr Partner ist auch Tierpfleger und unterstützt die Ersatzmutter bei der Aufzucht.

Am vergangenen Mittwoch sind sich der Sohn von Kathrin Pörtner und das kleine Affenbaby Medan im Tierpark Jaderberg zum ersten Mal begegnet. Jan und Medan beobachteten sich mit weit geöffneten, neugierigen Augen. „Ich bin superstolz darauf, dass ich mit meiner Muttermilch der kleinen Medan beim Weiterleben helfen konnte“, sagt Kathrin Pörtner und wiegt ihren Jan sanft im Arm, während Medan quietschvergnügt um die beiden herum klettert.

Sowohl Medan als auch Cooper sollen auch in den kommenden Monaten weiter mit menschlicher Muttermilch aufgezogen werden. Für mindestens noch ein halbes Jahr wird Nicole Onnen den beiden eine liebevolle Ersatzmama sein. Dann sollen der Siamang- und der Kapuzineraffe wieder in ihre ursprüngliche Lebenswelt integriert werden. Und bis es soweit ist, kann Medan weiter die Zuwendung der Pflegerin genießen. „Krabbeln und Kitzeln mag sie einfach am allerliebsten“.

( dpa/hem )