Gesundheitsökonomie

Kopfschmerz verursacht 2,5 Milliarden Euro Schaden

50 Millionen Bundesbürger plagt der Kopfschmerz. Die Volkskrankheit verursacht jedes Jahr einen Schaden von 2,5 Milliarden Euro. Noch häufiger als Kopfweh sind nur Rückenschmerzen.

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Die Volkskrankheit Kopfschmerz verursacht nach Schätzung von Experten jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden von 2,5 Milliarden Euro. Diese Zahl nannte der Chef der Deutschen Angestellten-Krankenkasse, Herbert Rebscher, bei einer Auswertung des Krankenstands 2006. Ergebnis: Der Krankenstand unter DAK-Versicherten lag mit 3,0 Prozent so niedrig wie seit zehn Jahren nicht. Und Kopfschmerz ist nach Rückenschmerz die zweithäufigste Gesundheitsstörung überhaupt.

So litten nach einer DAK-Umfrage 66,7 Prozent der Frauen und 53 Prozent der Männer im letzten halben Jahr mindestens einmal unter Kopfschmerzen. Hochgerechnet auf die Bevölkerung seien dies 28 Millionen Frauen und 21 Millionen Männer, sagte der Schmerzexperte Hartmut Göbel. Immerhin fünf Prozent der Patienten hätten täglich Kopfschmerzen.

Der Mediziner beklagte, dass die Ursache zu selten genau diagnostiziert werden. So vermuteten 75 Prozent der Betroffenen, die Schmerzen hätten mit dem Bewegungsapparat zu tun – also Verspannungen oder Schwierigkeiten mit der Wirbelsäule. Auch Ärzte diagnostizierten dies häufig falsch, während Patienten in Wirklichkeit unter Migräne oder einer anderen von rund 250 Arten Kopfschmerzen litten. Nur mit einer gezielten Diagnose lasse sich aber auch gezielt gegensteuern, sagte Göbel.

So vertrauen aus seiner Sicht bei Kopfschmerz viel zu viele Patienten auf Selbstmedikation mit Schmerztablette. Immerhin rund eine Million Menschen in Deutschland nehmen nach seinen Hochrechnungen täglich Schmerzmittel. Dabei sollte man die Einnahme unbedingt auf weniger als zehn Tage im Monat beschränken, wie Göbel weiter sagte. Denn sonst sorgt die Tablette über den Gewöhnungseffekt für neue Schmerzen.

Langfristig hilfreich sei es, Häufigkeit und Anlass der Kopfschmerzen zu notieren und die Ursachen möglichst zu vermeiden. Bei Migräne ist dies zum Beispiel häufig eine Reizüberlastung. Auch wenn Kinder häufig über Kopfschmerzen klagen, sollten Eltern unbedingt den Ursachen auf den Grund gehen. Kinder und Jugendliche seien weit häufiger betroffen als landläufig angenommen, meinte Göbel.

Jeder zweite war nicht krank

Als Anlass für eine Krankmeldung nehmen Arbeitnehmer Kopfschmerzen offenbar vergleichsweise selten. 53,1 Prozent der befragten Migräne-Patienten gaben an, sie gingen trotz schwerer Anfälle zur Arbeit, seien dort allerdings nicht voll leistungsfähig.

Insgesamt hält der Trend nach den neuen DAK-Zahlen an, dass sich Arbeitnehmer immer seltener krankmelden. Im vergangenen Jahr fehlten demnach 56 Prozent der Beschäftigten keinen einzigen Arbeitstag. Der Krankenstand unter den DAK-Versicherten sank nochmals von 3,1 Prozent 2005 auf 3,0 Prozent.

Durchschnittlich waren die DAK-Versicherten immerhin noch 11,1 Kalendertage krankgeschrieben (2005: 11,3 Tage). Besonders ins Gewicht fallen dabei allerdings die schweren Krankheiten mit sechs Wochen Abwesenheit oder mehr. Diese machen zwar nur 3,6 Prozent der Krankheitsfälle, aber 38,9 Prozent der Krankheitstage aus. 38,2 Prozent der Krankmeldungen dauern drei Tage oder weniger.

Beim Krankenstand an der Spitze liegen in der DAK-Statistik die Gesundheitsberufe (3,5 Prozent) und der öffentliche Dienst (3,3 Prozent), am Ende der Skala liegen Berufe der Rechtsberatung (2,1 Prozent).