Insekten

Die lange Geschichte von Bienen und Minen

Seit mittlerweile neun Jahren versuchen Wissenschaftler, Insekten nach Sprengstoff suchen zu lassen - bislang allerdings ohne Erfolg. Nun versucht ein kroatischer Forscher, Bienen zu dressieren. Abwarten, ob es diesmal klappen wird.

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Da sind sie wieder, die Bienen, die auf Minensuche gehen sollen. Diesmal kommt die Nachricht aus Kroatien. Nikola Kezic, Professor für Agrarwissenschaften an der Universität Zagreb, dressiert die Insekten mithilfe von TNT. Später sollen sie den Geruch des Sprengstoffs auf den kroatischen Feldern ansteuern und damit die Minen aufspüren, von denen seit dem Balkan-Krieg immer noch hunderttausende unter der Erde schlummern.

Bienen auf Minenjagd - war da nicht was? Im Frühjahr 1999 teilte der "Bienenexperte" Jerry J. Bromenshenk von der Universität Montana in der "Welt" mit, er arbeite im Auftrag der US-Regierung daran, 20.000 Bienen zu Minensuchern auszubilden. In einem verminten Testgebiet hätte er bereits zwei Bienenstöcke aufgestellt. Doch einwandfrei funktionierte das Verfahren offenbar nicht. "Umweltbelastungen beeinflussen das Fluggeschehen der Bienen", entschuldigte sich Bromenshenk.

Zweieinhalb Jahre später kümmerten sich gar schon 75 Mitarbeiter des "Defence Advanced Research Projects Agency" des US-Militärs um das Projekt "Minensuche". Diesmal sollten allerdings keine Bienen, sondern Wespen der Art "Microplitis croceipes" auf die Reise geschickt werden. Sie hatten sich als besonders talentiert erwiesen. Torsten Meiners vom Institut für angewandte Zoologie der Freien Universität Berlin erklärte der "Süddeutschen Zeitung" den Vorteil der "Spürwespen" gegenüber Hunden: "Man kann sie innerhalb von zehn Minuten trainieren." Die Versuche dauerten dann doch etwas länger.

Doch nun begeisterte sich auch Europa für die Idee: Anfang 2004 verkündet die Sicherheitsfirma "ICTS Europe", man wolle am Pariser Flughafen "Charles de Gaulle" Bienen nach Sprengstoff in Gepäckstücken suchen lassen. "15 bis 18" Monate werde es dauern, bis der Einsatz beginnen könne.

Im August 2005 berichtete die "Zeit" von ersten Testflügen der Bromenshenk-Bienen. Die Wissenschaftler seien zuversichtlich, die Bienen würden bereits 90 Prozent aller ausgelegten Sprengkörper aufspüren. Im streng geheimen Testverfahren, versteht sich.

Und jetzt also Professor Nikola Kezic. Die bisherigen Dressur-Ergebnisse seien "ausgezeichnet", lässt der Kroate wissen. Innerhalb von vier Tagen könne ein Bienenstock auf Sprengstoff abgerichtet werden. Die Empfindlichkeit der Bienen müsse zwar noch gesteigert werden, "aber das hängt jetzt nur von unserer Ausdauer ab". Stimmt. Wir warten auf die nächste Meldung.