Ausgrabung

Neue Dino-Fußabdrücke zeigen Spuren einer Jagd

| Lesedauer: 3 Minuten

Foto: dpa

Westlich von Hannover befindet sich der Dinosaurierpark Münchehagen. Vor fünf Jahren wurden hier in einem Steinbruch die ersten Spuren von Dinosauriern gefunden, seitdem wird weiter geforscht. Anhand neu gefundener und außergewöhnlich gut erhaltener Abdrücke wollen Wissenschaftler jetzt urzeitliche Jagdszenen nachvollziehen.

Dass der Landstrich bei Münchehagen einmal ein tropisches Inselparadies war, ist heute kaum vorstellbar: Hartnäckig klebt der feuchte Lehm unter den Schuhen und der Untergrund ist rutschig, während Geologen am Donnerstag in einem Steinbruch beim Dinosaurierpark Münchehagen frisch entdeckte Spuren der ausgestorbenen Riesen begutachten. Unter einer 50 Zentimeter dicken Sandsteinschicht fanden die Wissenschaftler nicht nur den typisch gewellten Boden einer Wattlandschaft, sondern auch neue Fußspuren: Es seien rund 40 Zentimeter lange Abdrücke eines Raubsauriers gefunden worden, sagte der wissenschaftliche Leiter des Parks, Nils Knötschke. Die Experten suchen nach dem Ende einer Geschichte, die hier vor 140 Millionen Jahren begann. Damals lag das Gebiet unter flachem Wasser, sandige Hügel ragten alle paar Kilometer aus der Fläche hervor. Iguanodone, die Kühe der Kreidezeit, wateten umher auf der Suche nach Grünfutter. Ihnen auf der Spur waren Raptoren, Raubsaurier.

Dass dort, wo heute ein Steinbruch ist, viele Dinosaurier gelebt haben, weiß man schon seit fünf Jahren, als erste Überreste der Urtiere gefunden wurden. Ein „ganz normaler Wildwechsel“ sei das gewesen, meint Knötschke. Die nun entdeckten Abdrücke aber seien rund ein Drittel größer, als die bisher bekannten Spuren. Bei den weiteren Ausgrabungen werde in den kommenden Tagen erwartet, dass sich die Fährten kreuzten. „Alle spricht dafür, dass wir hier eine Jagdszene nachvollziehen können.“ Vermutlich habe ein Allosaurus, einer der größten Fleischfresser in seiner Zeit, einen deutlich kleineren Iguanodon gejagt.

„Die Spuren sind eine zu Stein gewordene Momentaufnahme des Lebens. Sie sagen uns viel mehr über die Dinosaurier, als Knochenfunde“, erklärt der Wissenschaftler. Was sich damals genau abgespielt hat, können der geologische Präparator und seine Kollegen freilich nur erahnen. „Wir müssen viel interpretieren, aber können uns auch auf Ergebnisse von anderen Ausgrabungen stützen.“

Meist hätten die Raubsaurier von hinten angegriffen und dann die Flanke ihres Opfers attackiert. Dafür sprechen auch die neuesten Funde: Der hungrige Allosaurus hat vermutlich einen kleinen Iguanodon verfolgt, ist plötzlich nach links geschwenkt und hat ihn dann erlegt. Über mehr als 25 Meter lassen sich die Spuren der Tiere heute zurückverfolgen. Das sei ungewöhnlich lang, sagt Knötschke: „Die gute Erhaltung der Spuren ist extrem selten.“ Der Grund dafür seien schlicht sehr glückliche Umstände: „Ein Sandsturm hat die Abdrücke in dem lehmigen Untergrund geradezu festbetoniert.“

Heute sind die drei Zehen und die scharfe Kralle des Raubsauriers daher deutlich zu erkennen: Eine ganze Herde der bissigen Raptoren hatte sich vermutlich an die Fährte des Pflanzenfressers geheftet. Der sieben Meter lange Allosaurus musste die seine kleineren Artgenossen und Konkurrenten vermutlich nur noch vertreiben und konnte sich dann auf die aufgeschreckte und versprengte Herde der Iguanodone stürzen

( dpa/cmp )