Parawissenschaften

Kornkreise, Elektrosmog, Homöopathie - Humbug?

Sie sind Skeptiker und untersuchen seit 20 Jahren alles, was nach außergewöhnlichen Phänomenen klingt. Scharlatane werden entlarvt, falsche Propheten vom Sockel geholt. Auch alternative Medizin kommt unter die Lupe. Am Donnerstag wird in Darmstadt über Spekulationen aller Art konferiert.

Foto: hr/hg / Zentralbild

Vor 20 Jahren rief Amardeo Sarma in Deutschland die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ ( GWUP ) ins Leben. Der Verein verbindet Forscher, die sich als Skeptiker verstehen und außergewöhnlichen Phänomenen auf den Grund gehen. Das 20-jährige Bestehen wird bei einem Kongress ab Donnerstag in Darmstadt gefeiert. Im Interview zieht der deutsch-indische Elektrotechniker Bilanz.

Herr Sarma, seit 20 Jahren entlarven Sie Scharlatane und falsche Propheten. Was haben Sie erreicht?

Sarma: Unsere kritische Stimme wird inzwischen gehört, wenn es um faulen Zauber geht, sei es in der alternativen Medizin oder auf einem anderen Gebiet. Das ist für uns schon ein großer Erfolg.

Kornkreise, Elektrosmog, Homöopathie – alles Humbug?

Sarma: Aus unserer Sicht haben die von Ihnen genannten Dinge weder Hand noch Fuß. Natürlich gibt es Kornkreise. Fragt sich bloß, woher sie kommen. Jedenfalls nicht von Außerirdischen.

Was war der beste Trick, den Sie selbst je miterlebt haben?

Sarma: Die Zauberkünstler in unseren Reihen führen uns immer wieder unmöglich scheinende Dinge vor. Wir haben keine Ahnung, wie sie das machen, bis sie es uns erklären. Das ist eine gute Schulung, den eigenen Sinnen zu misstrauen. Wir täuschen uns oft, weil wir Dinge sehen, die wir sehen wollen, die es aber gar nicht gibt. Deswegen halten wir für wichtig, Entscheidungen im eigenen Leben nicht nach Wunschdenken oder dem, was man vermeintlich sieht, auszurichten, sondern alles gründlich zu analysieren.

Welchem Phänomen würden Sie gerne auf die Schliche kommen?

Sarma: Beim Thema „Außerirdische“ würde ich gerne mehr wissen. Wenn von unbekannten Flugobjekten (UFO) berichtet wird, stellt sich meist heraus, dass sie auf natürlichen Ursachen wie Wetterballons oder Lichtreflexen beruhen. Was wir noch nicht wissen, ist, ob es sonst irgendwo im All Leben gibt. Falls ja, könnten wir mit einer solchen Spezies kommunizieren? Das interessiert mich brennend. Aber ich fürchte, zu meinen Lebzeiten werde ich keine Antwort bekommen.

In der katholischen Kirche spielen übernatürliche Dinge eine große Rolle, zum Beispiel Heilungswunder. Was halten Sie davon?

Sarma: Spontanheilungen gibt es. Welche Mechanismen da im Körper ablaufen, wissen wir einfach noch nicht. Ich finde aber, dass man einen Schritt zu weit geht, wenn man ein solches Ereignis auf die Einwirkung einer ganz bestimmten Person zurückführt, womöglich noch auf einen Verstorbenen. Da bin ich skeptisch.

Wo verläuft die Grenze zwischen Glaube und Aberglaube?

Sarma: Das sind stark religiös geprägte Begriffe. Ich glaube, Religionsgemeinschaften können diese Frage besser beantworten. Für mich ist das schwer zu fassen.

Haben Sie auch religiöse Mitglieder?

Sarma: Ja, Christen und Angehörige anderer Religionen genauso wie Atheisten. Wir sind da so plural wie bei unseren politischen Anschauungen oder beruflichen Hintergründen. Uns eint jedoch das Ziel, dass wir wissen wollen, was stimmt denn nun und was nicht.

Der jetzige Papst betont, dass Glaube und Vernunft zusammengehören. Sehen Sie in ihm einen Mitstreiter?

Sarma: Dazu müsste ich erst einmal seine Bücher lesen. Eines habe ich gerade bestellt. Nach der Lektüre könnte ich Ihnen mehr sagen. Für mich ist aber klar: Wir haben bis heute keinen sicheren Beleg für nicht natürliche Einwirkungen auf Dinge, die auf der Erde passieren.