Schweinezucht

Brutstätten für multi-resistente Keime

Keime, die gegen Antibiotika resistent sind, sind gefürchtete Krankheitserreger. Menschen infizieren sich überwiegend im Krankenhaus damit. Einer neuen Studie zufolge sind die Keime jedoch auch in der deutschen Schweinezucht weit verbreitet. Menschen, die beruflich mit den Tieren zu tun haben, sind häufig Träger des Erregers.

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In fast der Hälfte der deutschen Schweinezuchtbetriebe kommen Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Bakterien (MRSA) vor, zeigt jetzt eine Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung BfR. Solche Keime gelten als problematisch, weil sie mit herkömmlichen Antibiotika nicht mehr bekämpft werden können.


Das Infektionsrisiko über Lebensmittel mit Schweinefleisch sei nach aktuellem Wissensstand jedoch sehr gering, betont BfR-Präsident Andreas Hensel. Allerdings sind Personen, die beruflich mit Schweinen zu tun haben, häufig Träger der resistenten Keime. Sie sollten daher etwa bei der Aufnahme in Krankenhäuser gezielt untersucht werden, um eine Ausbreitung der Bakterien zu verhindern, empfiehlt das Robert Koch-Institut nach Angaben des BfR.


In 84 und damit in über 41 Prozent der 201 untersuchten Betriebe wurden MRSA im Stallstaub nachgewiesen. Es handelt sich dabei vor allem um einen bei Nutztieren sehr häufigen Typ, der nur selten bei menschlichen MRSA-Infektionen, wie sie für Krankenhäuser typisch sind, auftritt.


Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist der Anteil belasteter Betriebe in Deutschland hoch: Im Schnitt wurden lediglich 22,4 Prozent der Bestände bei den Betrieben der 26 untersuchten Staaten positiv auf MRSA getestet, wie eine parallel veröffentlichte europäische Studie zeigt.


Als Verbraucher sei es jedoch nicht nötig, sich übermäßig Sorgen zu machen, betonen die Verantwortlichen: Zwar sei der Keim auch im Fleisch der Nutztiere nachweisbar. Das Risiko, sich über Lebensmittel zu infizieren, ist jedoch „nach allem, was wir wissen, sehr gering“, sagt Hensel - insbesondere dann, wenn beim Zubereiten des Fleisches die gängigen Hygieneregeln beachtet werden und das Fleisch nur durcherhitzt verzehrt wird.


MRSA ist der häufigste Vertreter einer neuen Bakteriengeneration, der mit den herkömmlichen Antibiotika nicht mehr beizukommen ist. Der Keim lebt normalerweise auf der Haut sowie in Rachen und Nase und verursacht nur höchst selten eitrige Entzündungen.


Gelangt er jedoch in den Organismus eines Menschen mit einem unterdrückten oder nur eingeschränkt arbeitenden Immunsystem, kann er schwere Krankheiten auslösen, die auf den gesamten Körper übergreifen. Vor allem in Krankenhäusern ist daher eine Verbreitung der resistenten Keime gefürchtet.