Hirnforschung

Musiker entlarven Gefühle in Stimmen besser

Der Ton macht die Musik: Dass der emotionale Gehalt eines Wortes oft weniger von dem Begriff selbst abhängt als vielmehr von der Tonlage des Sprechers, wissen Wissenschaftler schon lange. Neu ist hingegen, dass bei Musikern bestimmte Hirnareale beim Hören von Stimmen schneller und genauer arbeiten.

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Musikalische Menschen können beim Hören von Stimmen die darin mitschwingenden Gefühle besonders gut erkennen. Diese Sensibilität ist einer Studie zufolge umso stärker ausgeprägt, je früher die musikalische Schulung begann und je länger sie dauerte.


Forscher der Northwestern Universität im US-Staat Illinois untersuchten bei 30 jungen Männern und Frauen die Reaktion des Hirnstamms auf kurze Lautfragmente. Der Ton, der nur eine Viertel-Sekunde dauerte, stammte von einem weinenden Baby. Bei den Musikern reagierte das Hirnreal stärker auf jene Tonbruchstücke, in denen die Emotion des Kindes besonders deutlich wurde. Der übrige Teil des Lautes löste dagegen weniger Aktivität aus. Diese Unterscheidung sahen die Forscher bei den anderen Teilnehmern nicht.


„Dass ihre Gehirne schneller und genauer reagieren als die non Nichtmusikern, lässt sich unserer Ansicht nach auch auf die Wahrnehmung von Gefühlen in anderen Situationen übertragen“, sagt Studienleiterin Dana Strait.


„Ob Schulraum, Sitzungssaal oder Schlafzimmer.“ Die Forscherin betont im „European Journal of Neuroscience“, dass gerade die von den Musikern besonders gut erfühlten emotionalen Informationen bei Menschen mit bestimmten Problemen wie Autismus oder Dyslexie vermindert registriert werden. Möglicherweise könnten gerade diese Menschen von musikalischer Schulung profitieren.