Psychologie

Amoklauf sorgt auch nach Jahren noch für Trauma

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Dass die Überlebenden von Amokläufen dauerhaft psychische Wunden davontragen, steht außer Frage. Forscher befragten 949 Opfer einer solchen Gewalttat zum Ausmaß der psychischen Folgen. Manche von ihnen wollten zunächst keine psychologische Hilfe – zu groß waren die Vorurteile. Andere Opfer wurden schlicht übersehen.

Kanadische Forscher haben nun eingehend die Folgen des Amoklaufes am Dawson College in Montreal vom September 2006 analysiert und stellen ihre Ergebnisse am Dienstag auf einer Fachtagung vor.

Das Team hatte 949 Opfer des Amoklaufes befragt, bei dem eine Frau und der Täter starben und 19 Menschen verletzt wurden. Bei zwei Prozent der Befragten trat eine posttraumatische Belastungsstörung auf, heißt es in einem Vorabbericht. Sieben Prozent hätten bis heute schwere Stresssymptome. Einige Lehrer berichteten, sie fühlten sich machtlos und unfähig, ihren Schülern zu helfen.

Die Forscher fanden heraus, dass manche Schüler und Angestellte die psychologische Hilfe nur widerwillig angenommen hatten. „Sie lehnten die Hilfsangebote wegen verbreiteter Vorurteile über psychische Krankheiten ab oder aus Angst davor, Schwäche zu zeigen oder bei den Vorgesetzten als verletzlich zu gelten“, sagt Alain Lesage von der Universität Montreal.

Andere Opfer des Amoklaufs fielen unfreiwillig durch das Raster der psychologischen Betreuung – etwa das Personal der Cafeteria und jene Opfer, die nach dem Amoklauf ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Sie seien einfach übersehen worden, heißt es in dem Bericht.

Doch die Forscher haben auch Positives zu berichten: Von den Befragten, die die psychologische Hilfe in Anspruch genommen hätten, seien 80 Prozent mit der Betreuung zufrieden gewesen. „Wir müssen aus diesen Erfahrungen etwas lernen“, sagt Lesage, „damit wir in Zukunft besser helfen können.“