Dänemark

Frühes skandinavisches Urvolk ist ein Mythos

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Gerichtsmediziner haben auf der dänischen Insel Seeland zwei alte Grabstätten untersucht und dabei einen sensationellen Fund gemacht: Es handelt sich dabei um die Überreste eines über 2000 Jahre alten Arabers. Die Entdeckung stellt die frühe Existenz eines rein skandinavischen Urvolks infrage.

Die Grabstätten gehen auf die Siedlungen Bogebjerggard und Skovgaarde zurück, in denen bereits während der dänischen Eisenzeit von 400 vor Christus bis 0 Menschen lebten. Bei der Untersuchung des Erbguts von 18 Individuen stießen die Gerichtsmediziner um Linea Melchior von der Universität Kopenhagen auf eine überraschende genetische Vielfalt.

Die größte Sensation war jedoch, dass sie die über 2000 Jahre alten Überreste eines Mann fanden, dessen Erbmaterial auf seine arabische Abstammung verweist. Damit hat sich der Mythos eines skandinavischen Volks, das aus Eingewanderten hervorging und fortan isoliert in Dänemark lebte, endgültig als falsch erwiesen. „Wenn man sich die geografische Lage Dänemarks ansieht, wird schnell klar, dass die Dänen Kontakt zu anderen Menschen gehabt haben müssen. Wir wissen aus anderen Ausgrabungen, dass es Handel und Güteraustausch zwischen Dänemark und anderen Teilen Europas und Skandinaviens gab“, sagt Linea Melchior.


Während der Eisenzeit waren römische Legionen bis an die Elbe stationiert, und die gefundenen Überreste stammen vermutlich entweder von einem Sklaven oder einem Soldaten der Armee. In Skandinavien hat man möglicherweise von Wissen und Fähigkeiten des Fremden profitiert. Eine andere Möglichkeit wäre, dass eine weibliche arabische Vorfahrin des Mannes über die Elbe nach Dänemark ausgewandert ist.

Daraus, dass der Mann auf die gleiche Art wie die anderen Bewohner begraben wurde, lässt sich folgern, dass er in der Gemeinschaft lebte. Damit sind weitere Fälle denkbar, in denen sich Menschen aus entferntesten Teilen der Welt unter die Skandinavier gemischt haben.

„Alle unsere Vorfahren, egal, wann sie hier eingetroffen sind, haben zu unserer Geschichte und zur Entwicklung unserer Lebensweise beigetragen“, sagt Melchior. „Tatsächlich ist die dänische Identität mehr eine Frage danach, wo man heute lebt, als eine Frage nach unserer Vergangenheit – seit klar ist, dass wir sowieso alle ursprünglich aus Afrika stammen.“ Eine weitere Erkenntnis über die Gewohnheiten der eisenzeitlichen Siedler lieferten weitere Funde: Sie wiesen keine besonders hohen Verwandtschaftsgrade auf. Das bedeutet, dass bereits damals viele Menschen den Ort ihrer Geburt verlassen haben, um sich an anderen Orten niederzulassen.

( IH )