Auszeichnung

Ein bisschen Chemie-Nobelpreis geht auch nach Berlin

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Chemie-Nobelpreis für Erbgutforschung

In Zellen gibt es komplexe Moleküle, die dafür sorgen, dass die Erbsubstanz in Eiweiße umgewandelt wird. Für die Entschlüsselung dieser Ribosomen werden die US-Forscher Ramakrishnan und Steitz sowie die Israelin Jonath geehrt.

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Venkatraman Ramahrishnan, ein Brite, Thomas A. Seitz, ein Amerikaner, und Ada E. Yonath, eine Israelin, bekommen den Preis für ihre Erforschung der Ribosomen in den Zellen. In ihnen werden Eiweiße aus Aminosäure-Bausteinen hergestellt. Yonath ist erst die vierte Frau, die die Auszeichnung erhält. Sie forschte auch in Berlin.

Ada Jonath, Thomas Steitz und Venkatraman Ramakrishnan teilen sich den Nobelpreis zu gleichen Teilen. Sie haben Form und Funktion des Ribosoms aufgeklärt. Diese Maschine übersetzt in der Zelle die Erbinformation in die universellen Werkzeuge allen Lebens, die Proteine (Eiweiße). So teilte es die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mit. Die Auszeichnung ist in diesem Jahr mit umgerechnet knapp einer Million Euro dotiert. „Es hat die Richtigen getroffen“, freute sich der Leiter der Ribosomen-Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin, Knud Nierhaus. Grund seines Stolzes: Die Israelin Jonath habe viele ihrer wichtigsten Entdeckungen in Berlin gemacht. Am Max-Planck-Institut entwickelte sie als Gastprofessorin von 1979 bis 1983 die Grundlagen für die Kristallisation von Ribosomen. Die 70-jährige Jonath ist die vierte Frau, die den Chemie-Nobelpreis erhält. Erste Preisträgerin war 1911 Marie Curie, Entdeckerin der Elemente Radium und Polonium. Die höchste Auszeichnung für Chemiker ist in diesem Jahr mit umgerechnet knapp einer Million Euro (10 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

Das Nobelkomitee hob hervor, dass die Arbeit der Preisträger einerseits Grundlegendes für das wissenschaftliche Verständnis des Lebens gebracht habe, andererseits aber auch Forschern geholfen, Antibiotika gegen unterschiedliche Krankheiten zu entwickeln. Die drei Wissenschaftler hätten die Technik der Röntgenkristallografie angewandt, um die genaue Position jedes der hunderttausende Atome eines Ribosoms zu ermitteln, erklärte das Nobelkomitee.

Ada Yonath wurde 1939 in Jerusalem geboren. Sie promovierte über die Kristall-Untersuchung mit Röntgenstrahlung am Weizmann-Institut in Rehovot. Yonath ist Molekularbiologie-Professorin am Weizmann-Institut. Von 1986 bis 2004 leitete sie eine Forschungsgruppe des Max-Planck-Instituts am Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg.

Venkatraman Ramakrishnan wurde 1952 im indischen Bundesstaat Tamil Nadu geboren. Er promovierte 1976 in Physik an der Ohio-Universität (USA) und ist Gruppenleiter am Molekularbiologie-Labor des britischen Medical Research Councils in Cambridge.

Thomas Steitz wurde 1940 in Milwaukee (US-Bundesstaat Wisconsin) geboren. 1966 promovierte er in Harvard (USA) in Molekularbiologie und Biochemie. Heute ist Steitz Professor für molekulare Biophysik und Biochemie am Howard Hughes Medical Institute der Yale-Universität.

Im vergangenen Jahr hatten die Amerikaner Osamu Shimomura, Martin Chalfie und Roger Tsien die Auszeichnung erhalten. Sie haben das grünlich leuchtende Protein einer Qualle zu einem der wichtigsten Werkzeuge der Biologie gemacht. Mit dem Protein können viele Zellen sichtbar gemacht werden, um ihre Entwicklung im Körper verfolgen zu können.

Am Dienstag hatte die Akademie den Physik-Nobelpreis an Charles Kao, Willard Boyle und George Smith vergeben – sie haben rasend schnelle Datenleitung über Glasfasern und die lichtempfindlichen Chips in Digitalkameras möglich gemacht.

Der diesjährige Medizin-Nobelpreis war am Montag Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak zuerkannt worden, weil sie das Altern der Zellen erklärt haben.

Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

( dpa/AP/str )